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Expert*innen und Meinungen

Diese Zusammenstellung ist bei Weitem nicht vollstndig. Dafr bietet sie eine gute Darstellung, wie weit sich die Realitt in den meisten unserer "Lehranstalten" von dem entfernt befindet, was die moderne Wissenschaft ermittelt und was sich in einigen wenigen "Inseln des guten Lernens" bereits etabliert hat.





Dr. Felix Winter

Viele Schulen machen durchaus gute Arbeit, aber es reicht nicht. Sie mssen sich weiterentwickeln und brauchen mehr Untersttzung, damit alle Kinder und Jugendlichen optimale Entwicklungschancen erhalten. Ich selbst beschftige mich seit vielen Jahren mit der Reform der Leistungsbeurteilung, denn die braucht es, wenn man eine moderne Lernkultur etablieren will. Eine, die den Schlern mehr individuelles und interessengeleitetes Lernen ermglicht, anstatt sie hauptschlich zu belehren. Und dabei sollten die Schlerinnen und Schler nicht mehr stndig gegeneinander eingestuft werden. Viel wirkungsvoller ist es, wenn man mit ihnen schon im Prozess offen ber das spricht, was gelungen ist und was noch nicht sowie anschlieend: Was sind die nchsten Schritte fr dich? Diese formative Leistungsbeurteilung (dieses assessment for learning) hat sich als sehr frderlich erwiesen.

Ein zweiter wirkungsvoller Punkt ist eine gute Zusammenarbeit von Lehrern, Schlern und Eltern. Sie sollten lernen, inhaltlich-zahlenfrei und konstruktiv ber die Entwicklung der Kinder und der Schule zu sprechen. In vielen Schulen gibt es heute bereits solche Lernentwicklungsgesprche mit den oben genannten Personengruppen. Aber meist haben die Beteiligten nicht gengend Zeit dafr, weil die Gesprche als Unterrichtsausfall gewertet werden. Diesbezglich haben die Schulen noch viel zu lernen. Und es braucht auch geeignete Instrumente fr den Lern- und Leistungsdialog. Eines, mit dem ich mich seit langem befasse, ist das Portfolio. Darin sind keine Noten aufbewahrt sondern ausgewhlte Arbeiten der Lernenden. Anhand dieser Dokumentation knnen sich die Eltern endlich inhaltlich fr das interessieren, was ihre Kinder in der Schule erarbeitet haben und mssen nicht nur fragen: Welche Note hast du denn erreicht? Es gibt also viele gute Mglichkeiten, die Schulen gut und besser zu machen. Sie brauchen dafr zweifellos mehr Geld, aber auch gute Konzepte und Gedanken sowie die Mithilfe aller.

Dr. Felix Winter ist Psychologe und Erziehungswissenschaftler und bert Schulen, die neue Formen der Leistungsbeurteilung einfhren.

Buch: Lerndialog statt Noten. Weinheim: Beltz 2015/2018




Prof. Helmut Heid

Solange es einen gesellschaftlichen Bedarf an (sozialer) Ungleichheit gibt, muss befrchtet und festgestellt werden, dass Schulen wesentlich zur Realisierung und (fast noch "schlimmer":) zur Legitimierung des Gegenteils dessen beitragen, was sie programmatisch bezwecken. Die These, dass, wie und warum sogar die wichtigsten Vorschlge und Manahmen zur Gewhrleistung von (mehr) Bildungsgerechtigkeit (das Leistungsprinzip, die Forderung nach Chancengleichheit und das Postulat einer begabungsgerechten Frderung aller Lernenden) unter den gegebenen soziokonomischen Bedingungen ihrer Geltung und Realisierung zur Reproduktion und Rechtfertigung sozialer Ungleichheit beitragen, diesen Prozess sogar noch perfektionieren, das habe ich in mehreren (leicht zugnglichen) Artikeln zur Diskussion.

Wer ber die Gestaltung einer "guten Schule" nachdenkt und dafr arbeitet, solle den hier extrem knapp skizzierten (Voraussetzungs-) Fragen nicht ausweichen. Eine Schule ist wohl kaum besser als die Gesellschaft in der sie "erfolgreich" funktioniert.

Prof. Dr. Dr. h.c. Helmut Heid ist ein deutscher Pdagoge Er befasst sich vor allem mit den Bereichen der Wissenschaftstheorie der Pdagogik, der Begabungsforschung, dem Verhltnis von Bildungs- und Beschftigungssysstem. Des Weiteren setzt er sich auch mit bildungspolitischen Maximen und Programmen auseinander.





Detlef Trbert

Als ich Lehrer wurde, wollte ich gute Schule machen. Doch an der Hauptschule erlebte ich mehrfach Jugendliche, die aufgaben, weil sie keine Zukunftschancen fr sich sahen. An der Grundschule begegneten mir Kinder, die bei einer 1-2 im Aufsatz weinten, weil sie keine 1 erreicht hatten. Und im Kollegenkreis war ein Drittel engagiert, ein Drittel gleichgltig und ein Drittel ausgebrannt.

Dann stie ich auf die Aktion Humane Schule e.V. (www.humaneschule.de) und engagierte mich - das gab rger mit der Schulaufsicht. Trotzdem, das ist meine Lebenserfahrung, bewegt sich nur etwas, wenn wir uns selbst bewegen. Jede uerung, jede Aktion gibt Anste - die Kinder brauchen aktive Erwachsene!

Detlef Trbert), Dipl.-Pd., Beratungslehrer, seit 1996 selbststndig als Autor, Vortragsreferent, Fortbildner. Bundesvorsitzender der Aktion Humane Schule e.V. (2000-2012), seit 2016 Ehrenvorsitzender des Verbands.




Prof. Dr. Michael Hartmann

Prof. Dr. Michael Hartmann Aktion gute Schule Lange Jahrzehnte bestand das zentrale Problem der Bildungspolitik darin, einer greren Zahl an Jugendlichen den Zugang zu hherer Bildung zu ermglichen. Die niedrigen Quoten von Abiturienten und Hochschulanfngern prgten die Debatte. Seit einem guten Jahrzehnt hat sich das meines Erachtens gendert. Die Prozentstze von Studienberechtigten und Studienanfngern haben neue Hchststnde erreicht.

Obwohl es dabei immer noch eine gravierende soziale Schieflage gibt, besteht fr mich heute die grte Herausforderung aber darin, zu verhindern, dass ungefhr ein Sechstel jedes Jahrgangs vllig abgehngt wird. Der Blick muss heute nach unten statt nach oben gerichtet werden und die Schulen mssen dementsprechend ausgestattet werden. Das Beispiel der Rtli-Schule in Berlin zeigt, was man in dieser Beziehung mit mehr Geld, Personal und Engagement erreichen kann.

Prof. Dr. Michael Hartmann ist ein deutscher Soziologe. Er war bis 2014 Professor fr Soziologie mit den Schwerpunkten Elitesoziologie, Industrie- und Betriebssoziologie sowie Organisationssoziologie an der Technischen Universitt Darmstadt. (Wikipedia)



Prof. Dr. Hans Brgelmann Mit zehn Jahren werden Kinder nur in 18 Lndern dieser Welt auf verschiedene Schulformen aufgeteilt 16 davon liegen in Deutschland. Auch unsere Quoten fr die berweisung auf Sonder-/ Frderschulen und fr die Nicht-Versetzung (Sitzenbleiben) liegen deutlich ber dem Durchschnitt. Dabei sind leistungshomogene Gruppen eine Illusion und nicht leistungsfrderlich. Dasselbe gilt fr Ziffernnoten. Sie orientieren sich am Altersdurchschnitt, obwohl die NORMALE Leistungsstreuung von gesunden Kindern gleichen Alters schon am Schulanfang drei bis vier Entwicklungsjahren entspricht.

Darum brauchen wir Schulen, in denen Kinder lnger gemeinsam lernen drfen und gleichzeitig Raum bekommen, individuell ihren nchsten Schritt auf die in den Abschlssen definierten Anforderungen gehen zu knnen. Diese Position haben wir beim Grundschulverband pdagogisch begrndet (vgl. unsere Standpunkte) und didaktisch-methodisch in konkrete Hilfen bersetzt (vgl. die Materialien zur Pdagogischen Leistungskultur).

Auszug aus seinen Ttigkeitsschwerpunkten: Professor fr Grundschulpdagogik und -didaktik an den Universitten Bremen (1980-1993) und Siegen (1993-2012), Grnder verschiedener Lernwerksttten (seit 1987), Prsident der Deutsche Gesellschaft fr Lesen und Schreiben (1985), Sprecher des Verbunds der Reformschulen Blick ber den Zaun (2008-2012), Fachreferent fr Qualittsentwicklung beim Grundschulverband (seit 2002)






Karin Doberer

Karin Doberer Aktion gute Schule (Inhaberin von LernLandSchaft) "Ein Schulneubau oder eine Generalsanierung unter Bercksichtigung einer pd. Architektur bzw. offenen LernLandSchaften bedeutet im Vergleich zum konventionellen Schulbau in Form einer Flurschule keine bzw. nur unwesentliche Mehrkosten."

In dieser Ausarbeitung schreibt Frau Doberer ber Mglichkeiten der Einrichtung von Lernlandschaften.
Dieser Unternehmensfilm gibt einen schnen Einblick, was mglich ist.






Agnes Maria Forsthofer (Linkshnder e.V.) Wir drfen uns nicht einreden lassen, dass das mit den Linkshndern heute vom Tisch wre. Im Gegenteil. Auch heute noch ist in einer 5jhrigen Ausbildung von Erzieherinnen das Thema Linkshndigkeit bei Kindern kaum enthalten. Unsere Gesellschaft will auch in 2014 nicht erkennen, dass Kleinkinder kein Individuum sein mchten, sondern genau so wie die Umgebung drumherum. Und die sind dann alle Rechtshnder.

Gbe es - weltweit - einen Frherkennungstest, der auch wirklich Bestand hat, knnten wir sehen, dass die Annahme der heutigen Gehirnwissenschaft richtig ist: wir kommen 50:50 zur Welt. Welch immenses Potential geht uns da verloren. Nicht nur, dass Linkshnder anders schreiben. Wir denken auch anders. Gehen Probleme ganzheitlich denkender, kreativer und sozialer an. Lesen anfangs langsamer, schreiben oft bis ins hohe Alter in Spiegelschrift. Erzhlen blumiger. Bentigen andere Scheren, Dosenffner, Spitzer und, eben auch ein Linkshnder-Lineal mit der 0 rechts.

Auch Linkshnder haben Rechte ! Und diese sollten endlich erkannt und umgesetzt werden. Vielleicht ist eben dann genau ihr kleines Linkshnderkind der Weltverbesserer von morgen. Welch geniale Aussicht fr unsere schne Welt. ..mehr darber lesen






Magda von Garrel

Es kann doch nicht sein, dass Magda von Garrel Aktion gute Schule Aber genau so ist es! Schlimmer noch: Ungeachtet des Inklusionsgebotes deuten alle Anzeichen auf eine Forcierung der in der Schule vorgenommenen geistigen und seelischen Vergewaltigung von Kindern hin. Deshalb muss es meines Erachtens ber die "Abstimmung mit den Fen" hinaus zu einer so mchtigen Gegenbewegung kommen, dass deren Existenz nicht lnger ignoriert werden kann.

Magda von Garrel ist Sonderpdagogin (Fachbereiche: Sprachbehinderungen und Verhaltensstrungen) sowie Diplom-Politologin. Sie war als Integrationslehrerin an Grund-, Haupt-, Sonder- und Berufsschulen ttig.

Hier finden Sie ihre Positionierung zu einer Kinderfreundlichen Bildung, ein Pldoyer fr eine Befreiung aller Schler von seelischen und geistigen Konditionierungen.
..eine sehr lesenswerte Beleuchtung der Situation in unseren Schulen mit daraus abgeleiteten Handlungsempfehlungen.

Magda von Garrel zu Armut und Radikalisierung






Roland Grttner

Zitatensammlung Schulstruktur nennt Roland Grttner sein umfangreiches Werk, in dem er es schafft unser Bildungssystem aus kaum zhlbaren Perspektiven zu beleuchten. Die Einschtzungen und Bewertungen namhafter BildungsspezialistInnen, die er in seinem ber 70 Seiten umfassenden Werk zu Wort kommen lsst, ist fr jeden bildungsinteressierten Menschen unbedingt lesenswert.

Der Autor schreibt ber seine Sammlung: Von einer unvermeidbaren Reform: Etwa 400 unkommentierte Zitate aus 70 Quellen belegen die systemischen Irrtmer, die unser stark gegliedertes Schulsystem tragen, und die strukturellen Ungleichheiten, die es erzeugt oder verstrkt."

Ein Beispiel: Das Bildungssystem, wie es derzeit strukturiert ist, erffnet kaum Chancen, unterschiedliche Startbedingungen auszugleichen, es zementiert soziale Ungleichheit. Statt die Kinder schon nach der Grundschule zu sortieren, wre es besser, sie lnger zu sttzen. (Prof. Jutta Allmendinger, deutsche Soziologin und Prsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin fr Sozialforschung, 2012)

Hier finden Sie die Zitatensammlung

Roland Grttner ist Rektor einer Montessorischule und untersttzt als Schulentwickler Gemeinden in Bayern, die sich auf den Weg machen, einen Schulversuch als Gemeinschaftsschule zu beantragen.

Denkendorf/Kipfenberg (Obb):http://www.bildung-am-limes.de
Arzberg (Ofr): http://www.Gemeinschaftsschule-arzberg.de
Donaustauf (Opf): http://donaustauf-macht-schule.de
Buch a.Erlbach und Eching/Ast (Ndb): http://www.igg-ast-buch.de







Otto Herz

Otto Herz Aktion gute Schule Es gibt keinen einzigen Grund, Kinder im - viel zu - frhen Alter von 10 oder 12 Jahren auf ungleichwertige Schulformen aufzuteilen - als den:

Kinder und Jugendliche, ihre Eltern und ihre Familien in ihren Bildungsmglichkeiten zu behindern, gesellschaftliche Benachteiligungen weiterhin zu verfestigen und die Gesellschaft von frh an und dauerhaft spalten zu wollen.

Es gibt aber statt dessen jeden GUTEN GRUND dafr,

dass Kinder und Jugendliche gemeinsam in EINER Schule fr ALLE, in EINER Schule der VIELFALT in der GEMEINSAMKEIT aufwachsen; aufwachsen bis zum Ende der Sekundarstufe I, weil sie dann - und nirgendwo besser! - das fr unser berleben entscheidende ZUSAMMEN-LEBEN ALLER MIT ALLEN lernen knnen.

In der EINEN SCHULE fr ALLE, in der Schule der VIELFALT in der GEMEINSAMKEIT gilt es, die je individuellen Strken sensibel wahr-zu-nehmen, sie zu achten, sie wert-zu-schtzen, sie auf- und aus-zubauen; die Strken werden also - zuallererst und immerzu - gestrkt: kooperativ statt konfrontativ, inklusiv statt exklusiv; und die je individuellen Schwchen werden - so weit wie mglich - sanktionslos und ohne Diskriminierung - geschwcht.

© www.otto-herz.de
Aus meiner Rede aus gegebenem Anlass bei Ein Grund zum Feiern! 40 Jahre Gesamtschule in NRW.
Samstag, 23. Januar 2010, Jahrhunderthaus Bochum.







Prof. Dr. phil. Stephan Hyng » Meine Beobachtungen des aktuellen Schulsystems und der aktuellen Diskussion darber bescheren mir den Eindruck, dass es vieles zu verbessern gibt. Die Lern- und Lehrkultur bedarf an etlichen Stellen der berarbeitung. Soziale Themen und weniger formelle Formen des Lernens werden immer wichtiger. Unser Schulsystem, das immer noch viele Komponenten aus dem Industriezeitalter hat, kann fr das digitale Zeitalter nicht optimal vorbereiten.

Warum messen wir uns nicht an den hervorragenden Ergebnissen einiger unserer Nachbarlnder? Es gibt so viele gute Beispiele, die wir eigentlich nur folgen mssten. Schlielich muss das Rad ja nicht neu erfunden werden. «

Auszug aus seinen Ttigkeitsschwerpunkten: Lehrer an der Katholische Hochschule fr Sozialwesen Berlin, Schwerpunkte: Mnnlichkeit - Vereinbarkeit von Beruf und privatem Leben - Mnner in Kindertagessttten, Mitglied im Bildungsnetz Berlin, und DISSENS e.V.






Prof. Dr. Klaus Klemm » Das zergliederte deutsche Bildungssystem verharrt nach wie vor in seiner Funktion, Bildungs- und damit Lebenschancen ungleich zu verteilen. Auch heute noch verweigert es sich seinem im Grundgesetz formulierten Auftrag, niemanden aufgrund seiner Herkunft zu benachteiligen. Das ist gesellschaftlich skandals und angesichts der demographischen Verknappung, die in Deutschland heraufzieht, konomisch wahnsinnig. «

Auszug aus seinen Ttigkeitsschwerpunkten: Bildungsplanung (regionale Schulentwicklungsplanung, Lehrerbedarfsplanung, Bildungsgesamtplanung) Bildungsfinanzierung und empirische Bildungsforschung. UNI Duisburg






Prof. Dr. Arnold Kpcke-Duttler » Im Sinne einer pdagogischen Deutung der Verfassung und einer Abkehr von einem Staatsmonopol im Bildungswesen ist eine pdagogische Grundlegung einer demokratischen Schulverfassung zu denken. Das Ma gibt hier das Kind in Verbindung, im schulischen Zusammenleben mit anderen Kindern. Eine nhere Ausprgung der Selbstverwaltung der Lehrenden und Lernenden (die Lernenden sind die Lehrenden und umgekehrt), der Selbstgestaltung der die Schule in Kooperation tragenden Menschen steht demnach noch dahin. Das sollte so nicht bleiben. Auszugehen ist bei dieser Reform von der Achtung der Person des Anderen. Kommunikation nach innen und Kooperation sollen von diesem Ethos gehalten sein, das zugleich die pdagogischen Beziehungen durchstimmt (Begegnung statt Belehrung, Eintreten fr die Schwcheren, Wahrung und Frderung des Eigenseins jedes Kindes) und auch die Idee eines menschlichen Rechts bildet. «
(Demokratisierung der Schule?, in: Recht & Bildung, Heft 4/2005, S. 08)

» Wird die Menschenwrde der Menschen mit Beeintrchtigung geachtet und das Behindertsein als Teil menschlicher Vielfalt respektiert, so drfen einer umfassenden Geltung des menschlichen Rechts die Einschrnkungen der finanziellen, personellen Ressourcen und ungengende Organisationsstrukturen nicht lnger entgegengehalten werden. «
(Die Behindertenrechtskonvention und eine Schule fr alle, in: Lernen konkret, Heft 2/2010, S. 5)

Prof. Dr. Arnold Kpcke-Duttler, Rechtsanwalt und Diplom-Pdagoge, 97340 Marktbreit Justitiar des Montessori-Landesverbands Bayern; Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des Instituts fr Bildungsforschung und Bildungsrecht (Hannover; An-Institut der Ruhr-Universitt Bochum)






Prof. em. Dr. Georg Lind

» Georg Lind Aktion gute Schule Manche Kinder lernen von alleine, die meisten bentigen aber eine gute Lernumgebung. Diese kann nur von gut ausgebildeten und sorgfltig ausgewhlten Lehrern geschaffen werden. Gut ausgebildete Lehrer wissen, dass Kinder Zeit zum Denken brauchen und man sie nicht unablssig mit Ansprache vom Denken abgehalten darf. Es gibt ein Denk-Defizit-Syndrom (DDS) an unseren Schulen, weil zu viel Aufmerksamkeit verlangt wird.

Gut ausgebildete Lehrer kommen auch ohne Machtmittel (Noten, Sitzenbleiben) und Angstmache aus, die das Lernen behindern. Sie wissen, wie man autonomes Lernen allein oder in Kleingruppen frdert. Und sie wissen, wie sie mit Eltern kooperieren und Kinder gegen lernbehindernde bergriffe von auen schtzen.«

Prof. em. Dr. Georg Lind, UNI Konstanz






Prof. Hans-Martin Lbking, Evangelische Kirche in Westfalen » Darum gehrt die Frage der Schulstruktur auf die Tagesordnung! Wenn das gegliederte Schulsystem nach dem Urteil der meisten Bildungsexperten zu sozialen Ungerechtigkeiten fhrt und den Anforderungen einer modernen Wissensgesellschaft nicht gerecht wird, dann muss es verndert werden. Wir brauchen mutige Reformen statt endloser Korrekturen am falschen System. «






Prof. Dr. Hans-Gnter Rolff » Mit meinen Erfahrungen aus der langjhrigen Bettigung im Experimentalausschuss des Deutschen Bildungsrates und als Grnder und Leiter des "Institut fr Schulentwicklungsforschung" der TU Dortmund halte ich unsere Bildungslandschaft an vielen Punkten fr reformbedrftig. Die Erkenntnisse aus moderner Forschung und internationalen Studienreisen mssen ebenso wie die vielen positiven Beispiele aus den europischen Nachbarlndern strker bercksichtigt werden. «

Auszug aus seinen Ttigkeitsschwerpunkten: Sozialforscher, Autor: "Sozialisation und Auslese durch die Schule" und "Institutionelles Schulentwicklungs-Programm", Mitbegrnder der Zeitschrift "Schulmanagement", Visiting-Professor an der Stanford-University, Gastprofessor in Wien, Graz, Klagenfurth und Zrich, Consultant Professor der Shanghai Normal University, Fachgutachter der Deutschen Forschungsgemeinschaft, IFS - Institut fr Schulentwicklungsforschung, TU Dortmund






Prof. Dr. Manfred Spitzer » So wie unser Gehirn beschaffen ist, wird immer dann gelernt, wenn positive Erfahrungen gemacht werden. Dieser Mechanismus ist wesentlich fr das Lernen der verschiedensten Dinge, wobei klar sein muss, dass fr den Menschen die positive Erfahrung schlechthin in positiven Sozialkontakten besteht (). Menschliches Lernen vollzieht sich immer schon in der Gemeinschaft, und gemeinschaftliche Aktivitten bzw. gemeinschaftliches Handeln ist wahrscheinlich der bedeutsamste Verstrker. «

Quelle:
Prof. Dr. Manfred Spitzer, Gehirnforscher, in: Lernen. Gehirnforschung und die Schule des Lebens, 2006, S. 181






Univ.-Prof. Dr. phil. Christina Hansen

» Unsere Erstinskribientenzahl hat sich mehr als verdoppelt - das ist interessant weil in den anderen Standorten die Zahlen eher gleich bleiben. Und es ist gut, wenn man ein paar Grnde erfhrt: Eine kleine Umfrage unter den Studierenden hat ergeben, dass rund 40% vom Angebot am Lehrstuhl gehrt haben - sowas freut. Was ich damit sagen will: Die Studierenden sind hinter uns und es kann damit nur in die richtige Richtung gehen.«

Artikel aus der PNP (PassauerNeuePresse)

Regelmig ldt Frau Hansen im Rahmen ihrer Veranstaltung "Bildungskreit" ein und ihre Studenten prsentiern ihre Beobachtungen aus Aufenthalten in z. B. Wiener Grundschulen. Seit teilweise ber 15 Jahren werden dort pdagogische Konzepte praktiziert, die wir uns fr unserer Grundschulen wnschen.

Einige Argumente in Stichpunkten:
Frau Prof. Dr. Hansen ist die Lehrstuhlinhaberin fr Grundschulpdagogik und Leiterin des Zentrums fr Praxis-Forschung an der UNI in Passau. Lesen Sie auch was sie uns fr unsere Arbeit geschrieben hat.

Lesen Sie auch was sie uns fr unsere Arbeit geschrieben hat.






Dr. Brigitte Schumann » Die UN-Konvention formuliert nach ihrem eigenen Selbstverstndnis keine Sonderrechte fr Menschen mit Behinderungen, sondern fordert die Anerkennung und Realisierung der allgemeinen Menschenrechte auch fr die Gruppe der Behinderten. Das Recht auf gemeinsames Lernen ist also ein allgemeines Menschenrecht. Es darf Kindern ohne Behinderungen nicht vorenthalten werden. Es gilt fr alle, unabhngig von Elternhaus und Einkommen, von sozialer, kultureller und ethnischer Herkunft sowie unterschiedlichen Fhigkeiten.

Inklusiv knnen Schulen nur dann sein, wenn nicht nur die Barrieren fallen, die Kinder mit Behinderungen von Kindern ohne Behinderungen trennen. Auch die Barrieren innerhalb des allgemeinen Schulsystems mssen als solche identifiziert und berwunden werden. Aus der Verteilung von Schlerinnen und Schlern auf ungleichwertige Bildungsgnge unterschiedlicher Schulformen resultieren soziale Segregation und verschrfte soziale Ungleichheit. Inklusion ist an die Struktur und die Lernkultur einer SCHULE FR ALLE gebunden. Prventive Frhfrderung fr die am strksten gefhrdeten, benachteiligten und behinderten Kinder ist dabei unabdingbar.

Internationale Erfahrungen und die empirische Bildungsforschung belegen die Vorzge des gemeinsamen Lernens fr die kognitive, emotionale und soziale Entwicklung des Menschen. Learning to live with each other hat die UNESCO 1999 zum wichtigsten Lernziel des 21. Jahrhunderts erklrt. Unseren Kindern drfen diese Lerngelegenheiten nicht lnger verweigert werden. Vielfalt und Unterschiedlichkeit im gemeinsamen und individualisierten Lernen ist lernfrderlich fr alle und ermglicht individuelle Lernerfolge auf hohem Niveau.

In keinem Bundesland hat bisher eine Landesregierung die Zielsetzung eines inklusiven Schulsystems ins Auge gefasst. Nach Hamburg sei es nicht mglich, eine SCHULE FR ALLE durchzusetzen, sagen selbst manche Befrworter dieses Modells. Als Kompromiss wird die Zweigliedrigkeit mit dem Gymnasium und einer zweiten Schulform, die alle anderen bestehenden Schulformen zusammenfasst, bevorzugt. Wer damit seinen Schulfrieden machen will, opfert das universale Menschenrecht auf inklusive Bildung und etabliert das Recht auf Gymnasium als deutsches Sonderrecht.

Die Zweigliedrigkeit ist nichts anderes als klassische Klientelpolitik.
Die Politik bedient damit das Interesse von Menschen aus der Mittel- und Oberschicht am Erhalt des Gymnasiums. Damit sollen Bildungsprivilegien weiterhin garantiert und der erwnschte Abstand zu den Kindern der Unterschicht und des Prekariats soll eingehalten werden. «

Dr. Brigitte Schumann war 16 Jahre Lehrerin an einem Gymnasium, zehn Jahre Bildungspolitikerin und Mitglied des Landtags von NRW. Der Titel ihrer Dissertation lautete: "Ich schme mich ja so!" - Die Sonderschule fr Lernbehinderte als "Schonraumfalle" (Bad Heilbrunn 2007). Derzeit ist Brigitte Schumann als Bildungsjournalistin ttig.






Prof. Dr. Rita Sssmuth » Wir haben erheblichen Nachholbedarf in der Bildungsfrderung und in der Bildungsleistung, beim Abbau der Bildungsbenachteiligung und des erdrckenden Zusammenhangs zwischen sozialer Herkunft und Bildungschancen. Es wird intensiv gestritten ber die empirischen Befunde und die notwendigen (pdagogischen) Manahmen zur berwindung der nicht zu leugnenden Schwchen «

..hier knnen Sie weiter lesen






Prof. Dr. Klaus-Jrgen Tillmann » Gerade die PISA-Forschung zeigt, dass in unserem Schulsystem viel zu viel Scheitern und Misserfolg produziert wird. Um das zu ndern, mssen wir die Schulstrukturen reformieren und die Lernprozesse neu gestalten. Unser Aufruf zeigt dazu den Weg «

Auszug aus seinen Ttigkeitsschwerpunkten: Empirische Schul- und Sozialisationsforschung, Schul- und Unterrichtstheorie, Reformentwicklung im Sekundarschulwesen. UNI Bielefeld






Prof. Dr. Renate Valtin » Es ist ein Skandal, dass - wie IGLU und auch die neuere Schulleistungsstudie des IQB zeigen - nur eine Minderheit der Kinder, die gravierende Leseprobleme aufweisen bzw. die Mindeststandards nicht erreichen, in unserem Schulsystem eine besondere Frderung erfahren. Whrend beispielsweise in Finnland oder anderen skandinavischen Lndern die Klassenlehrer Untersttzung erhalten doch besondere Fachleute (Leselehrer, Beratungslehrer, Sonderpdagogen, Schulpsychologen), ist dies in Deutschland so gut wie unbekannt.

Wir brauchen dringend eine "Frderkultur": Schler und Schlerinnen mit schwachen Leistungen drfen nicht zurckgelassen werden! «

Auszug aus ihren Ttigkeitsschwerpunkten: Empirische Schul- und Sozialisationsforschung, Legasthenie und Schriftspracherwerb, Reformentwicklung in der Grundschule, Mitglied des deutschen Konsortiums der Internationalen Grundschul- Lese-Untersuchung (IGLU), Chairperson/member der PISA / PIRLS Task Force der International Reading Association, Prsidentin der Deutschen Gesellschaft fr Lesen und Schreiben, Mitglied der High Level Group on Literacy, einberufen durch die EU-Kommission, besondere Auszeichnungen: Reading Hall of Fame, Citation of Merit Award der International Reading Association






Prof. Dr. Ludger Wmann » Ich untersttze ein lngeres gemeinsames Lernen, weil die international vergleichende Forschung uns zeigt, dass der Bildungserfolg dadurch ein Stck weit vom familiren Hintergrund entkoppelt wird - ohne dass das allgemeine Leistungsniveau darunter leiden wrde! Die Fakten belegen, dass wir aufgrund der frhen Aufteilung viel menschliches Vermgen vergeuden - das ist sowohl fr die wirtschaftliche Entwicklung als auch fr die gesellschaftliche Gerechtigkeit verwerflich. «

Auszug aus seinen Ttigkeitsschwerpunkten: Lehrstuhl fr Volkswirtschaftslehre, insb. Bildungskonomik Ludwig-Maximilians-Universitt Mnchen