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Fakten

Eine Zusammenstellung wichtiger Argumente und Hintergrundinformationen.

Aufzählungspunkt Schulpflicht - warum eigentlich keine Bildungspflicht?
Aufzählungspunkt FeedbackSchule: Technologie für LehrerInnen zum Einholen von systematischem Feedback (fast) ohne Aufwand

Aufzählungspunkt Stell dir vor, du stehst jeden Tag vor einer Klasse die meistens nicht aufpasst und dir keinen Respekt zeigt
Aufzählungspunkt Warum wollen (manche) Lehrer wohl keine (Helikopter-) Eltern sehen?
Aufzählungspunkt Auf die Persönlichkeit kommt es an, nicht auf die Noten!
Aufzählungspunkt Medienkompetenz in der Darstellung des Bayerischen Kultusministeriums - ..und eine Gegenrechnung
Aufzählungspunkt Die vielfach ausgezeichnete Grund- und Mittelschule: GMS Thalmässing

Aufzählungspunkt Schülerin erklärt Lehrer Schule mal emotional
Aufzählungspunkt Bayern im Vergleich: Gemeinschaftschulen in Deutschland
Aufzählungspunkt Brandbrief einer Mutter an das Kultusministerium
Aufzählungspunkt Die 10 pädagogischen Irrtümer des bayerischen Schulsystems
Aufzählungspunkt Willy-Brandt-Gesamtschule "eine Schule der besonderen Art"

Aufzählungspunkt Österreichisches Bildungsministerium empfiehlt den Film alphabet für seine SchülerInnen
Aufzählungspunkt Chancen(un)gerechtigkeit unseres Schulsystems
Aufzählungspunkt Die Jugendstudie für Kempten
Aufzählungspunkt Sinkende Schulleistungen durch frühe Trennung der Schüler
Aufzählungspunkt Sieht so der Schulalltag Ihres Kindes aus (5 bis 11 Jahre)?

Aufzählungspunkt Schulnoten halten nicht, was sie versprechen
Aufzählungspunkt Bayerisches Kultusministerium befürwortet das Unterrichten in Lernlandschaften
Aufzählungspunkt Die Zukunft erfolgreich gestalten – Evangelische Schule Berlin
Aufzählungspunkt Albrecht-Ernst-Gymnasium (AEG) in Oettingen. So funktioniert eine gute Schule
Aufzählungspunkt Selektion und Leistungsdruck bereits mit 10 Jahren - Europavergleich

Aufzählungspunkt Grundschul-Ländervergleich 2011; was beweist die Studie noch
Aufzählungspunkt Wofür haben wir Steuergelder?
Aufzählungspunkt Alles eine Frage der Darstellung 1 - Schulabgänger ohne Abschluss
Aufzählungspunkt Alles eine Frage der Darstellung 2 - Etat für Bildung in Bayern
Aufzählungspunkt Qualitätskontrolle

Aufzählungspunkt Vorbilder, ein Artikel aus der GEO: "Die guten Lehrer. Es gibt sie doch!
Aufzählungspunkt Mobile Reserve oder Zweckentfremdung?
Aufzählungspunkt Betreuungszeiten für Wissensvermittlung nutzen
Aufzählungspunkt Medikamente als Lernhilfe
Aufzählungspunkt Motivation der Lehrer

Aufzählungspunkt Sorgfaltspflicht gegenüber Angestellten
Aufzählungspunkt Umfang der Lehrpläne, überfrachtet?
Aufzählungspunkt Chancengleichheit für Kinder, deren Eltern wenig Zeit für sie haben
Aufzählungspunkt Technische Ausstattung der Schule, könnte ein Unternehmen so arbeiten?
Aufzählungspunkt Zahlen, Von anfänglich 40,3 % machen noch 22,9 % das Abitur




Schulpflicht - warum eigentlich keine Bildungspflicht?

Wer diese Europakarte (passender Artikel dazu) betrachtet, könnte ins Grübeln kommen. In Wikipedia ist zum Thema Schulpflicht dazu folgendes zu lesen: In den meisten europäischen Ländern besteht keine Schulpflicht, statt dessen Unterrichtspflicht oder Bildungspflicht. Die Vermittlung von Wissen ist mithin für das Kind nicht an den Besuch einer Schule (Schulpflicht im eigentlichen Sinne) gebunden. Das Wie und Wo der Bildung steht frei und wird staatlich nicht vorgegeben.

Wer die Pressemitteilungen zum Streitfall der Familie Wunderlich aus der Nähe von Darmstadt gelesen hat, wird sich ziemlich sicher wundern. Klar, Petra und Dirk Wunderlich verstoßen gegen geschriebenes Recht, da sie sich weigern ihre Kinder in die Schule zu schicken. Aber haben sie damit auch automatisch unrecht? - ist der Staat automatisch im Recht?

Warum zwingen wir in Deutschland unsere Kinder "in die Schule" - kaum ein anderes europäisches Land macht es so! Weshalb können in Deutschland Eltern, die es damit nicht so genau nehmen und z.B. die Urlaubsreise mit ihren Kindern während der Schulzeit antreten, mit bis zu 2500 Euro Bußgeld bestraft werden?

Haben Sie einmal in Ihrem Bekanntenkreis nach den Meinungen über den Sinn der Schulpflicht erkundigt? Mir wurde in den meisten Fällen mitgeteilt, dass die Schulpflicht als etwas Gutes betrachtet werde. Sozusagen eine kulturelle Errungenschaft zum Nutzen der Gesellschaft. Wo kämen wir denn hin, wenn die Kinder auch zuhause bleiben könnten? …sie würden ja nichts lernen.

Hier drängt sich auf, dass hier die Macht der Gewohnheit der stimmungsgebende Faktor ist. So wie unsere Nachbarländer es anders machen, haben wir halt die Schulpflicht. Sie wurde aus dem Dritten Reich ins Grundgesetz übernommen. In Österreich gibt es zum Beispiel keine prinzipielle Schulpflicht, sondern nur eine Unterrichtspflicht. Kindern müssen die allgemeinen Vorgaben über Bildung zugänglich gemacht werden. In welcher Form dies geschieht, bleibt den Erziehungsberechtigten vorbehalten.

Die Familie Wunderlich setzt sich nun schon seit vielen Jahren gegen die Behörden zur Wehr. Sie möchten ihre Kinder selber unterrichten. In diesem Zusammenhang wurde ihnen sogar das Aufenthaltsbestimmungsrecht entzogen. Würden Sie mit Ihren Kindern nun das Land verlassen, sähen sie sich einem internationaler Haftbefehl ausgesetzt. Aktuell droht Ihnen nach der jüngsten Verurteilung von 90 Tagessätzen im Wiederholungsfall eine Haftstrafe von bis zu 4 Jahren.

Die Familie Wunderlich ist übrigens kein Einzelfall in Deutschland. Unsere Steuergelder könnten doch viel besser in eine vernünftige Unterrichts- und Bildungspflicht investiert werden, als wie dort wohl geschehen in SEK-ähnlichen Einsätzen für Schulverweigerer oder Flughafenüberwachungen für Schulschwänzer. Wir sollten umdenken und uns die gelingenden Konzepte unserer europäischen Nachbarn ansehen. Übrigens: HomeSchooling würde nicht nur viel mehr Bildungsfreiheit verschaffen, sondern auch die Budgets der Kultusministerien entlasten.

Einen passender Artikel zum Thema Schulpflicht in der Süddeutschen Zeitung finden Sie hier.

Wer kennt Antworten auf diese Fragen:



Technologie zum Einholen von systematischem Feedback (fast) ohne Aufwand: FeedbackSchule

Feedback - Selbstreflektion - zu besitzen ist ein wunderbares Geschenk. Wer die Gabe besitzt, die Reaktionen der Menschen auf das eigene Handeln zu kennen, kann sich immer wieder neu auf das Gegenüber einstellen. Besonders gute LehrerInnen möchten gern wissen, wie Sie bei Ihren SchülerInnen ankommen, wie diese auf sie reagieren.

Der Ersteller der fachlichen Konzeption von FeedbackSchule, Dr. Benedikt Wisniewski, schreibt folgendes zu dieser interessanten und durchaus effektiv anmutenden online Feedback-Applikation:

» „Ich war als Lehrer mein Leben lang im Blindflug – ich wusste nie, wie gut oder schlecht der Unterricht war, es gab keine Daten“.

Dieses Zitat von Prof. Rolf Dubs zeigt beispielhaft, wie wenig bis zum Anfang des 21. Jahrhunderts eigentlich über die Qualität von Unterricht bekannt war. Sämtliche Reformversuche in Bezug auf Schule und Unterricht basierten auf tradierten Meinungen und pädagogischen Glaubenssätzen.

Die empirische Unterrichtsforschung der letzten Jahre konnte auf die Frage „Was ist guter Unterricht?“ zunehmend substantielle Antworten geben. Dabei zeigte sich der erhebliche Einfluss, den Lehrpersonen als aktiv steuernde Regisseure von Unterricht auf den Lernerfolg ihrer Schülerinnen und Schüler haben. Als besonders einflussreich hat sich in diesem Zusammenhang die Variable „Feedback“ erwiesen. „Unterricht mit den Augen der Lernenden sehen“ (Hattie 2009), „kognitive Empathie“ (Lipowsky 2012) oder das „Lernseits von Unterricht“ (Schratz 2011) sind verschiedene Begriffe für ein und das selbe Konzept, nämlich das Einholen von Rückmeldungen über Unterricht und die entsprechende Anpassung und Optimierung. Feedback durch Schüler führt nachweisbar zu sehr hohen positiven Effekten auf den Lernerfolg. Diese Effekte sind höher als die nahezu aller anderer pädagogischer Maßnahmen.

Die Intention von FeedbackSchule ist es, zur Verbesserung von Schule beizutragen, indem Lehrer ihren Unterricht durch die Augen ihrer Schüler sehen können. Dies war zwar schon bisher mit verschiedenen Instrumenten möglich, die neue Idee ist jedoch, aussagekräftiges Feedback effizient und unkompliziert zu machen. Da das Einholen von systematischen Rückmeldungen bisher einen erheblichen Zeitaufwand erforderte, bietet FeedbackSchule eine technische Lösung, die das Austeilen, Einsammeln und Auswerten von Fragebögen per Hand überflüssig macht.

Lehrerinnen und Lehrer können Fragebögen zu ihrem Unterricht oder anderen schulisch relevanten Bereichen an ihre Schüler weitergeben und diese beantworten ihre Fragen innerhalb weniger Minuten und absolut anonym per App. Auf diese Weise ist es möglich, dass an Schulen eine tatsächliche Feedback-Kultur entsteht. Dies hat sowohl Vorteile für die Schülerinnen und Schüler, die dadurch besseren Unterricht bekommen als auch für die Lehrerinnen und Lehrer, die Rückmeldungen über ihre eigene Wirksamkeit erhalten, was einen wesentlicher Präventivfaktor in Bezug auf Burn-Out-Erkrankungen darstellt.

Mit FeedbackSchule ist für Lehrkräfte ein Perspektivenvergleich möglich zwischen der eignen Sicht auf Unterricht und der Einschätzung der Schülerinnen und Schüler. Oder wie es John Hattie formuliert: „If the teacher‘s lens can be changed to seeing learning through the eyes of students, this would be an excellent beginning.“ (Hattie 2009, S. 252) «

Link zu FeedbackSchule ..hier können Sie es ausprobieren!

Weitere Hintergrundinformationen in einer Presse-Information von FeedbackSchule-




Stell dir vor, du stehst jeden Tag vor einer Klasse die meistens nicht aufpasst und dir keinen Respekt zeigt

Dieser Text stammt aus einem Kommentar eines Lehramtsanwärters auf einen Bericht eines Schülers über seine negativen Erlebnisse aus seiner Schulzeit und die Feststellung, dass es nicht wirklich Sinn macht seinen LehrerInnen einmal die Meinung zu sagen. Wie schön wäre es, wenn erst gar keine solchen Befürchtungen geben müsste. Wann passiert denn Autoritätsverlust?

Wenn die SchülerInnen gegenüber den LehrerInnen keine Wertschätzung aufbringen können. Die Gründe dafür liegen in der Regel im System. Z.B. Frontalunterricht erreicht erwiesenermaßen nur einen Teil der Klasse – die anderen tanzen irgendwann auf den Tischen. Wieso glauben so viele immer noch, dass der lehrerzentrierte Unterricht funktionieren muss. Er kann – von wenigen Ausnahmen – nicht wirklich gut ankommen. Sonst könnte jeder eine Stadthalle füllen und die BesucherInnen bei Laune halten (Persönlichkeitsautorität, Karma).

In einem Schulsystem, das mit Zwang (Schulpflicht) und Disziplinierungsmaßnahmen (unangekündigte Stegreifaufgaben, Ausfragen vor der Klasse) und mangelhafter Elternmitbestimmungsmöglichkeit regiert, kann es kein besseres Ergebnis geben als: „Ich lerne auf die nächste Prüfung“. Das ist meilenweit von nachhaltiger Wissensvermittlung entfernt!

Aus dem Rezept für das Gelingen: Freude am Lernen. Themen anstelle von Fächern. Keine 45- oder 90-Minuten-Blöcke sondern Tage- und Wochen-Projekte. Kein stundenlanges Stillsitzen. Ohne Notendruck und Beschämung.

Es geht wirklich! Nicht umsonst gibt es Schul- und LehrerInnenpreise. Das Problem ist das System an sich, in dem sich Verantwortliche verstecken können und Bürokratie Innovation und Kreativität erstickt.




Warum wollen (manche) Lehrer wohl keine (Helikopter-) Eltern sehen? Helikoptereltern (welch ein Begriff!) sind die logische Konsequenz einer gestörten Lehrer-Eltern-Beziehung. Je weniger das Vertrauen und die Wertschätzung, desto größer der elterliche Kontrollanspruch. Georg Lind bringt es in seinem Kommentar zu diesem Artikel sehr gut auf den Punkt!

Artikel im SÜDKURIER: Helikoptereltern: Kiss-and-Go-Zonen an Schulen

Kommentar von Georg Lind




Auf die Persönlichkeit kommt es an, nicht auf die Noten! Klaus Wenzel (Präsident Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV)) brachte es in einem Interview mit dem Deutschlandfunk einmal mehr auf den Punkt. Deutlicher kann es eigentlich kaum gesagt werden, dass die Persönlichkeitsbildung viel wichtiger ist, als die Bewertung nach den Noten.

Zitat: "...wir müssten uns verabschieden von der Vorstellung, dass Deutsch und Mathematik und die Fremdsprachen, dass das die Hauptfächer sind. Ich glaube, dass inzwischen Kunst, Sport und Musik die wirklichen Hauptfächer geworden sind, damit sich selbstbewusste Persönlichkeiten entwickeln können. Davon sind wir sehr, sehr weit entfernt. Wir sorgen dafür, dass unsere Kinder sich selber als Notenbündel wahrnehmen, also nicht mehr die Persönlichkeit steht im Vordergrund, sondern die Art der Noten, und das wird bis zur zweiten Stelle nach dem Komma gezählt..."

Das Interview lesen / anhören

Diese bekannten Persönlichkeiten (Zusammenstellung SPIEGEL ONLINE) haben ihr Studium abgebrochen. "Es wurde trotzdem etwas aus ihnen" ..könnte man sagen. Trotzdem? Vielleicht deshalb?! Ein gutes Beispiel, dass Menschen, denen es gelingt ihre besonderen Neigungen zu erkennen und fort zu entwickeln, viele Chancen und Möglichkeiten im Leben haben.

Wir wünschen und eine Schule, in der exakt das gemacht werden kann: Individuelle und neigungsbezogene Förderung eines jeden einzelnen Kindes.

Steve Jobs
Bill Gates
Frank Plasberg
Julian Assange
Anke Engelke (geboren 1965), Entertainerin
Günther Jauch
Barbara Schöneberger
Otto Waalkes
Eva Briegel
Judith Holofernes
Mick Jagger
René Obermann
Sabrina Setlur
Peter Handke
Feridun Zaimoglu
Anni Friesinger
Faris al-Sultan
Hans Meiser
Sönke Wortmann
Julio Iglesias
Vincent van Gogh
Heike Makatsch
Michael Dell
Mark Zuckerberg
Gwyneth Paltrow
Stefan Raab
Matthias Opdenhövel
Thomas Anders
Brad Pitt
Kurt Masur
Kai Diekmann
Alexa Hennig von Lange
Herbert Grönemeyer
Sven Regener
Bernhard Hoëcker
Richard Gere
Wolfgang Joop
Siegfried Lenz
Herbert Feuerstein
Ferdinand Alexander Porsche
Linda de Mol
Wim Wenders
Eric Clapton
Bastian Pastewka
Barbara Eligmann
Christoph Schlingensief
Johannes B. Kerner
Audrey Tautou
Jörg Pilawa
Roland Emmerich
Til Schweiger
Erich Sixt
Steven Spielberg
Friedrich Küppersbusch
Kai Pflaume
Dirk Manthey
Oliver Kalkofe
Jürgen von der Lippe
Ottfried Fischer
Jürgen Drews
Bertolt Brecht
Ulrich Meyer
Wolf Schneider
Jurek Becker
Martin Luther
Yoko Ono
Sean Lennon
Charles Darwin
Gustave Flaubert
Jacob Grimm
Leo Tolstoi
Friedrich Nietzsche
Alice Schwarzer
Rainer Langhans
Kaiser Wilhelm II



Medienkompetenz in der Darstellung des Bayerischen Kultusministeriums - ..und eine Gegenrechnung


"Rahmenbedingungen für gute Medienbildung an bayerischen Schulen kontinuierlich verbessert"
So die Überschrift einer Pressemitteilung des Kultusministeriums. Diese PM erschien nahezu zeitgleich zur Veröffentlichung der ICILS-Studie, die dokumentiert: "Deutsche Schulen stehen bei der Computernutzung im internationalen Vergleich am Ende der Liste".

Einige Zitate aus der Pressemitteilung:



Diese Grafik zeigt das Ergebnis der ICILS-Studie (Quelle: Zeit-Online)





Wir haben nachgerechnet. Anhand der Schulstatistik (Stand 2013, Quelle ) ergeben sich diese Ergebnisse:


Die vielfach ausgezeichnete Grund- und Mittelschule: GMS Thalmässing An der Art, wie Ottmar Misoph über seine Schule, die GMS Thalmässing , berichtet, in der er seit 16 Jahren Schulleiter ist, bemerkten wir sofort, dass er ganz selbstverständlich mit Leib und Seele für seine Schüler*innen und sein Kollegium da ist. Sehr bald kristallisierte sich eines der Erfolgsrezepte heraus: Ritualisierung. Wissen unsere Kinder, was wir wann von Ihnen wollen, läuft vieles ganz von selbst. Die Schwächeren bekommen von den Stärkeren geholfen. Und damit sind nicht nur jene Kinder gemeint, die gerade wegen ihrem Handicap diese Schule besuchen. Seit 4 Jahren, also so gut wie von Anfang an, besitzt die Thalmässinger Schule das sogenannte Inklusionsprofil. Dabei wird Inklusion dort schon viel länger gelebt.

Während wir durch die Lernlandschaften geführt werden, begegnen uns Schulkinderkinder auf den Fluren. Eigentlich ja ganz normal. Etwas fällt erst nach einigen Sekunden des Beobachtens auf: Es ist ungewöhnlich ruhig. Nicht, dass die Kinder einen bedrückten oder gar traurigen Eindruck vermitteln, nein, sie verhalten sich wie immer. Wie immer? Ja, so, wie es in einer Schule mit einer Lernlandschaft und selbstverantwortlicher und wertschätzender Lernkultur üblich ist. Die Unterhaltung findet mit gedämpfter Stimme statt, damit die anderen nicht gestört werden. Selbstverständlich toben diese ganz normalen Kinder dann mit voller Lautstärke auf dem sehr weitläufigen und in die Landschaft eingelassenen Pausenhofgelände. Dieses kommt ohne Zaun aus, ist in verschiedene Zonen eingeteilt und in einer ist sogar das Schneeballwerfen gestattet.

Wir bekommen einen Raum gezeigt, in dem einige vermutlich 8. Klässler*innen eigenaktives Lernen praktizieren. Zwanglose Gruppen- oder Einzelarbeit ist zu erkennen. Getreu seiner Devise „bei uns ist jeder Lehrer für alle Kinder zuständig – vor allem, wenn sich diese in den Lernflächen (Flure, Aula und natürlich auch draußen) aufhalten“ wird Herrn Misoph von einer Schülerin mit einer alltäglichen Rückfrage zum Lernstoff angesprochen. Diese Selbstverständlichkeit drückt einen hohen Beziehungsgrad aus. Fast schon familiär. Und das, während wir, eine vom Rektor durch die Schule geführte Gruppe fremder Erwachsener, in der Tür stehen. Überhaupt stehen die Türen normalerweise offen und alle der zahlreichen Besucher der Thalmässinger Volksschule dürfen jederzeit überall hineingehen und sich von der positiven Lernatmosphäre überzeugen.

Zweimal pro Woche helfen Eltern im Unterricht mit. Nicht, weil es nicht genügend motivierte Lehrer*innen gibt, sondern damit die Wissensvermittlung wirklichkeitsnäher erfolgt. Das Einbinden der Eltern stärkt zudem das Wirgefühl in der Schulfamilie und erzeugt gegenseitiges Verständnis.

Das Erfolgsrezept dieser Schule ist so gelungen, dass sie Partnerschule für die Lehrerausbildung der UNI Eichstätt ist. Derzeit entsteht eine Doktorarbeit über das Arbeiten in Freilernzeiten. Das sind jene Phasen, in denen die Schüler und Schülerinnen selbstständig lernen. Hiermit ist nicht etwa das gemeint, was allgemein als Hausaufgabe verstanden wird, nämlich Vertiefen durch Üben – nein, in themensortieren Behältern befindet sich Lernmaterial inklusive Lösungen, welches selbstständig erarbeitet wird.

Wir möchten wissen, wie es gelingt, ein ganzes Kollegium davon zu überzeugen, sich so außergewöhnlichen Konzepten zu bedienen. Auch wie es gelingt, Unterricht hinter Glaswänden und bei offenen Türen abzuhalten ist spannend. Ganz einfach (fast): Herr Misoph ist davon überzeugt, dass nahezu jeder Mitarbeiter stolz darauf ist in einem erfolgreichen Unternehmen mitzuarbeiten. Das motiviert und bringt gute Leistungen. Wir wollen wissen, ob das immer gelingt. Nein, da muss man das Beste daraus machen – zumal wenn sich ein Schulleiter nicht selbst sein Team zusammenstellen kann. Bisher hat er offenbar meisten ausgesprochenes Glück dabei gehabt. Der Erfolg, der innen gelebt wird, wird durch zahlreiche Bewerbungen für Schul- und Innovationspreise nach außen dokumentiert. Der Erhalt der Auszeichnungen bestätigt und beflügelt die gesamte Schulfamilie ihren gelebten Weg weiterzuentwickeln.

Das Lehrerzimmer – neben einer gemütlichen Couch ebenfalls mit den praktischen und extrem flexiblen Dreieckstischen wie in den Schulräumen ausgestattet – vermittelt uns eine angenehme Atmosphäre. Flexibilität wird hier nicht nur in den Lernräumen [2] groß geschrieben und gelebt. So gibt es keine festen Elternsprechstunden mehr. Damit kommt man den unterschiedlichen Arbeitszeiten und Bedürfnissen der Eltern entgegen. Wer nicht in die Schule kommen kann oder möchte, telefoniert oder scheibt eine E-Mail – ganz wie er möchte. Für das Lehrerkollegium gehört gegenseitige Hospitation, offene Klassenzimmertüren – kurzum ganz viel Öffentlichkeit zum Alltag.

Die dreieckigen Tische haben es in sich – oder besser aneinander. Ob lange Tafeln in Biertischbreite oder eine große Runde – jede Form ist je nach Bedarf realisierbar. Besonders für’s schnelle Einrichten einer Arbeitsgruppe oder um mal etwas Allein für sich machen zu können. Einfach den Tisch anheben und wie einen Schubkarren über ein Gelenkrolle verschieben. Beispiele dazu finden Sie hier.

Interessant und ergonomisch zugleich. Alle Stühle sind gleich hoch. Wer Elternabende in der Grundschule kennt, weiß leidvoll vom Sitzen auf viel zu kleinen Stühlen zu berichten. Hier nicht. Die Stühle haben höhenverstellbare Querstreben für die Füße. Und damit sitzen die Kleinsten an normal hohen Tischen. Eine der einleuchtenden Begründungen: „Oder würden Sie zuhause einen niedrigeren Esstisch für Ihre Kinder anfertigen lassen? Nein, hier legen Sie ja auch Kissen unter!“ Außerdem gibt es keinen „Adlerblick“ der Lehrer*innen hinunter auf die Schulkinder mehr. Dass das Mobiliar somit quer durch alle Klassen einsetzbar ist muss nicht betont werden. An einer Grund- und Mittelschule besonders wertvoll.

Auf einem Flur hängt das Ergebnis der Evaluation 2011. Es muss nicht ergänzt werden, denn es spricht für sich selbst!

In einem Klassenzimmer der ersten Klasse bekommen wir einen Einblick wie die Jüngsten Lesen lernen. Beindruckend! Herr Seefeld, wie uns scheint ein Lehrer mit Herz und Seele, wendet, wie seine Kolleg*innen auch, die von Hiltraud Prem entwickelte Leselernmethode an. Eine interaktive Wandtafel, laminierte Fotos der Kinder und eine softwaregestützte Leistungsdokumentation fallen sofort ins Auge. Ein paar Klicks und ein Überblick über die ganze Klasse ist zu sehen. Hiermit werden beste Ergebnisse erzielt. Wahrscheinlich weil die Kinder so selbstverständlich und gern damit umgehen.

Der über die ganze Tafelfläche dargestellte Bildschirminhalt kann einfach mit dem Finger bedient werden und bringt spielerisch das Umgehen mit der Technik in das Klassenzimmer. Buchstaben können so einfach nachgemalt werden. Nicht einen Augenblick haben wir den Eindruck, dass die Technik dominiert oder ihr gefolgt werden muss – nein, sie scheint geradezu vollständig integriert. Außerdem gibt es jede Menge Handwerkliches. Z.B. Sandkästen, in die die Buchstaben gemalt werden, sowie eine Wörterdruckmaschine. Die gelernten Wörter können, wie früher an einer Druckmaschine mit Setzkasten, über einen Farbroller auf Papier gebracht werden. Die Freude der Kinder an dieser handwerklichen Herausforderung war spürbar.

Die außergewöhnlichen Leistungen dieser Schule wurde mehrfache mit Preisen [1] ausgezeichnet. Inzwischen erhält sie regemäßig Besuch. „Meine Schule steht jederzeit offen“, so Herr Misoph. Auch Kultusminister Spaenle nahm die Auszeichnungen mit dem bundesweiten Sonderpreis „Starke Schule“ , im Juni 2013, zum Anlass und schickte ein Glückwunschschreiben. Das eigenaktive Lernen wird darin ausdrücklich hervorgehoben. Wir fragen uns, warum das an so vielen anderen Schulen immer noch nicht so praktiziert wird!

Gar nicht als letzter Punkt, aber dennoch hier notiert, weil wir in einem eigenen Beitrag darüber berichten werden: Die Schule nimmt an einem vielversprechend klingenden Test mit Tablet-PC’s, so genannten SkoolPads, teil.


Einzelnachweise
[1] Starke Schule 2014 – i.s.i. Wettbewerb 2006 und 2014 - Jakob Muth-Preis - lernreich 2.0 – Wi – Modus-Schule

[2] Nähere Informationen über das Konzept des flexiblen Klassenzimmer finden Sie hier.



Stimme des Elternbeirats

..ich habe Ihren Bericht gelesen. Ja.. dem gibt es nicht mehr sehr viel hinzuzufügen.

Ich zitiere mal eine Aussage eines Elternteils: „Unsere Schule ist nicht nur eine Schule der offenen Türen , sondern auch der offenen Herzen.“
Und ich denke , nein vielmehr bin ich davon überzeugt, haben Sie das bei Ihrem Besuch auch feststellen können.

Respekt, Achtsamkeit und Wertschätzung – darauf wird an unserer Schule sehr viel Wert gelegt und auch gelebt. Ob vom Schüler zum Lehrer , als auch vom Lehrer zum Schüler.
Wir Eltern sind genauso ein Teil dieser Schule, wie Schüler und Lehrer. Es ist ein sehr offenes Miteinander. Wir als Eltern haben jederzeit einen Ansprechpartner.
Aber bei aller Offenheit und Transparenz, die an unserer Schule vorhanden ist - es wird die einzelne „Privatsphäre“ eines jeden bewahrt!

Jeder ist ein Bauteil unserer Schule – ob der Busfahrer/in – der Hausmeister – die Putzfrau – die Eltern /Großeltern –die Schüler - die Sekretärin – das Lehrerkollegium oder der Rektor – jeder einzelne trägt zum Erfolg unserer Schule bei.
Jeder ist ein Bauteil - mit seinem Können und seinen Talenten.


Ein persönliches Wort noch zum Abschluss:
Das ist keine Selbstverständlichkeit, sondern harte Arbeit. Arbeit die unseren Kindern zugutekommt und jeder bereit ist zu leisten – jeder so wie er kann und wie es ihm möglich ist.


Das ist eben das besondere an unserer Schule.


Gruß
Seitz Bianca, für den Elternbeirat

Beitrag einer Elternvertreterin und Mitarbeiterin der Sozialpädagogischen Familienhilfe




Schülerin erklärt Lehrer Schule mal emotional Strafarbeit Ich weiß, Hr. ……, für Sie ist es eher eine „Zusatzaufgabe“, aber jeder weiß, es ist eine Strafarbeit. Und wie gesagt, sie ist unnötig, weil wir nicht geschwätzt haben. Da Sie mir immer noch nicht gesagt haben, über was ich jetzt schreiben soll, will ich Ihnen den Begriff `Schule` mal „emotional“ erklären und Sie über die Missstände der heutigen Gesellschaft und der Schule informieren.
Schule
Die Schule; Genitiv: der Schule
Plural: die Schulen

1. Anstalt, in der Kinder und Jugendliche gegen ihren Willen durch planmäßige Wissensbulimie gezwungen werden, sinnloses Wissen in sich hinein zu fressen um es dann auf Kommando wieder auszukotzen.
(siehe auch: Folter, Gefängnis, Persönlichkeitsbrechung, Potentialvergewaltigung, Entmutigung)

2. Gefühle die oft mit Schule verbunden sind
Angst, Hass, Verzweiflung, Wut ...
...weiterlesen



Bayern im Vergleich: Gemeinschaftschulen in Deutschland




Im bundesweiten Vergleich wird deutlich, dass sich allein Bayern ausschließlich ein gegliedertes Schulsystem leistet. Wer sehen möchte, was sich z.B. das Bundesland Baden Württemberg unter seinen Gemeinschaftsschulen vorstellt, der hat bei diesem Video Gelegenheit dazu (25 Minuten).

Bundesweiter Vergleich Gemeinschaftschule





Brandbrief einer Mutter an das Kultusministerium Den Brandbrief einer Mutter an das bayerische Kultusministerium zu "Unterrichtsausfall, Kurzstunden, Lehrerkonferenzen in der Schulzeit, zuwenig Sport und Musik – das sind alltägliche Probleme an Bayerns Schulen, beantwortete Herr Spaenle wie folgt: „Beobachtungen von Eltern aus dem Schulalltag ihrer Kinder sind für mich wichtige und hilfreiche Rückmeldungen für meine tägliche Arbeit und die aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Schulverwaltung. Die Sorgen und Nöte der Eltern nehme ich sehr ernst..."

Zum Brief von Herrn Spaenle

Helfen Sie mit und informieren Herrn Spaenle und seine MitarbeiterInnen über die Umstände an unseren Schulen aus erster Hand.
Bitte schicken Sie uns Ihre Erfahrungen mit z.B. Kurzstunden und Unterrichtsausfall. Einfach per E-Mail, gern auch in Kurzform.

Unsere Stellungnahme sowie Reaktionen von Betroffenen




Die 10 pädagogischen Irrtümer des bayerischen Schulsystems Das Magazin "Schule & Wir" erscheint drei- bis fünfmal im Jahr und wird an alle Eltern in Bayern kostenlos mit einer Auflage von 1,38 Millionen Exemplaren über die Schulen verteilt. Die Zeitschrift wurde 1973 vom Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus gegründet.

In der Ausgabe 1/2014 erschien der Artikel "Die 10 populärsten Irrtümer der Pädagogik (Auszug aus dem Magazin) - wie Kinder erfolgreich lernen und was in die pädagogische Mottenkiste gehört"

Aktion gute Schule nimmt wie folgt Stellung zu diesen Thesen. (Ausarbeitung von Alexandra Lux , Lerncoach und Montessoripädagogin.

»Als erfahrene Montessori-Pädagogin und LernCoach maße ich mir sowohl eine andere Sichtweise an, als auch weitergehendes Wissen, als die vom Autor hier sehr einseitig angelegte Darstellung, die wahrscheinlich auf der Kurzzusammenfassung der Hattie-Studie aufbaut.

Es beginnt schon mit dem Einleitungabschnitt. Hier werden zwar keine Namen genannt, doch jeder, der sich in der aktuellen kritischen Diskussion auskennt, weiß sofort, wer hier als Ammenmärchenerzähler abgestempelt wird!«


Die 10 angeblichen Irrtümer

1. Der Lerntyp ist der Schlüssel zum Erfolg

2. Die Gesamtschule ist erfolgreicher als das differenzierte Schulwesen

3. Frontalunterricht ist schlecht

4. Der erfahrenste Lehrer ist der beste Lehrer

5. Noten müssen abgeschafft werden

6. Schule funktioniert auch ohne Regeln

7. Lernen muss grundsätzlich Spaß machen

8. Am Computer lernen Kinder am besten

9. Man kann Kinder gar nicht genug loben

10. Sitzenbleiben ist schlecht



Meinungen dazu von...

BLLV Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband e.V.

Rolf Munz, Schulrat, Schulleiter im Ruhestand

schliessen

Die zehn populärsten Irrtümer der Pädagogik
1. Der Lerntyp ist der Schlüssel zum Erfolg
In der Tat weist die Lerntypen-Theorie Frederic Vesters deutliche Schwächen auf. Auch gibt es keinen empirischen Nachweis dafür, dass die Berücksichtigung der Lerntypen im Unterricht das Lernergebnis verbessert. Möglicherweise liegt das aber daran, dass es den rein an Lerntypen orientierten Unterricht in der Praxis überhaupt nicht gibt, Vesters Theorie also weitgehend Theorie bleibt, weil Lehrkräfte sich an weiteren (individuellen) Determinanten zur Förderung effizienten Lernens und Denkens orientieren. Insofern wird mit Irrtum 1 vom Verfasser/ der Verfasserin ein weitgehend irrelevanter Aspekt aus der pädagogischen Mottenkiste geholt.

2. Die Gesamtschule ist erfolgreicher als das differenzierte Schulwesen
Dass Schule&Wir diese Behauptung so in den Raum stellt, ist schandbar. Dieser Behauptung wird einmal mehr, wie bei Bildungspolitikern von CDU/CSU üblich, die Gleichsetzung von Gesamtschule und Gemeinschaftsschule zugrunde gelegt. Beide unterscheiden sich nicht zuletzt, weil bei den deutschen Gesamtschulen CDU/CSU/FDP ultimativ die pädagogische Ausrichtung und Strukturierung durchsetzten, die deutsche Gesamtschulen grundlegend von z.B. finnischen oder kanadischen Gemeinschaftsschulen unterscheidet. Verfechter einer Änderung des gegliederten Schulsystems orientieren sich vornehmlich an den inklusiven Gemeinschaftsschulen in Finnland, Kanada, Südtirol… . Diese haben sehr wohl den Nachweis erbracht, dass sie unter Beachtung aller Aspekte der internationalen Vergleichsstudien besser sind als Bayerns sechsfach gegliedertes Schulwesen. Es ist dreist, zu behaupten, dass die Einführung der Gemeinschaftsschule auf Kosten der Kinder gehe, nicht nur was die Schulleistungen betrifft, sondern vor allen Dingen in Bezug auf soziales Lernen und echte Bildung. Dies umso mehr, als die KM-Schreiber und CSU-Bildungspolitiker immer noch nicht zur Kenntnis genommen haben bzw. nehmen wollen, dass wir mit den bayerischen Grundschulen bereits über den höchst eindrucksvollen Beweis verfügen, dass diese bayerische Gemeinschaftsschule, noch dazu mit der höchsten Inklusionsquote aller bayerischen Schularten, auch international zu Spitzenleistungen fähig ist
(IGLU). Geht dieses inklusive Gemeinschaftsschulmodell Grundschule etwa auf Kosten der Kinder? Wenn ja, dann allenfalls durch den Selektionswahn der politisch Verantwortlichen. Es ist unglaublich, wie Schule&Wir versucht, mit Irrtum 2 die Bürger für dumm zu verkaufen. Das gilt auch für die Behauptung, dass bezüglich der Qualität des Unterrichts Bayern führend ist. Vielleicht nimmt man bei Schule&Wir einmal zur Kenntnis, dass man selbst in der Führungsspitze des Bayer. Philologenverbandes als wesentlichen Faktor für die guten bayerischen Ergebnisse die deutlich höhere Unterrichtszeit für bayerische Schüler benennt und dies zum Anlass nimmt, vom KM zu fordern, an den Stundentafeln nicht zu kürzen. In der Tat haben bayerische Schüler/innen nach neun Schuljahren gegenüber Schülern aus den meisten anderen Bundesländern erheblich mehr Unterrichtsstunden durchlaufen. Das und die geringeren Unterrichtsausfälle als in anderen Bundesländern darf man dem Freistaat Bayern zugute halten, wenngleich auch hier noch Raum für Verbesserungen bleibt.

3. Frontalunterricht ist schlecht
Der vermeintliche Irrtum 3 ist kein Irrtum, sondern speziell ab der Sekundarstufe bittere Realität. An meinem Enkel im Gymnasium kann ich täglich erfahren, dass „Osterhasen-Pädagogik“ und Lehrerdominanz die Regel sind. Zwar versucht Schule&Wir bei diesem Scheinirrtum Erkenntnisse der Hattie-Studie zu berücksichtigen, die Ausführungen beweisen jedoch, dass der Verfasser, selbst wenn er Ansätze aus der Hattie-Studie anführt, Hatties Primat der „Direkten Instruktion“ sehr einseitig nur mit schwächeren Schülern und Schülern mit Konzentrationsschwierigkeiten begründet. Wir haben aber durchaus auch andere Schüler an unseren Schulen. Tatsächlich geht es aber nicht darum, welche Forschungsergebnisse uns insbesondere empirische Forscher präsentieren, sondern darum, was tatsächlich in den Klassenzimmern geschieht. Und das sind, auch wenn Schule&Wir das nicht gerne hören wird, weitgehend die Lehrermonologe, die in den Klassen das „Gift der Langeweile ausbreiten“ (Prof. Peter Sloterdijk), die Schüler ihrer eigenen Sprache berauben und nach Günther Anders zum Ergebnis haben: „Der Jugendliche wird in der Schule zu einem Menschen, der selbst nicht mehr spricht und deshalb nichts mehr zu sagen hat; und der, weil er immerfort hört, ein ‚Höriger‘ ist.“ Wie soll es in den Schulen mit ihren Fetzenstundenplänen der 45-Minuten-Einheiten mit anschließendem Lehrerwechsel auch anders gehen?! Mit dem, was Schule&Wir als das darstellt, was sein sollte, wird das, was ist, und tatsächlich schlecht ist, also kein Irrtum, in keiner Weise entlastet. Aus Fairnessgründen sei aber darauf verwiesen, dass offene Lernformen für den Aufbau „intelligenten Wissens“ dann durchaus relevant sind, wenn sie mit klarer Strukturierung und herausfordernden Inhalten einhergehen und systematisch eingeübt werden (Klieme). „Insofern geht es bei der Steigerung von Unterrichtsqualität nicht um ein Entweder-oder der verschiedenen Methoden, sondern um ein Sowohl-als-auch und um eine angemessene Balance, einschließlich der reformpädagogischen Konzepte (Steffens/Höfer).“ Dazu zählen auch deren Flankierung durch eine positive Beziehung zwischen Lehrenden und Lernenden und ein umfassendes Feedback, das auch Informationen zu den nächsten Lernschritten enthalten muss und nicht mit Lob und Tadel verwechselt werden darf. Wenn von Schule&Wir ziemlich einseitig auf die deutliche Überlegenheit des „Frontalunterrichts“ gegenüber offenen Unterrichtsformen verwiesen wird, so sei jedoch die vergleichende Analyse von Leistungserhebungen bei Kindern der 4. Jahrgangsstufe in NRW (VERA 2004) erwähnt, in die auch Montessori-Schulen (12 in NRW) einbezogen waren. Prof. Ludwig konstatiert darin den Schülern der 4. Jahrgangsstufe von Montessori-Schulen in NRW eine leistungsmäßige Überlegenheit gegenüber denjenigen von traditionellen Regelschulen besonders im Bereich Mathematik und in den Bereichen Schreiben und Rechtschreiben. Dazu führt er aus:“Das lässt sich im Sinne eines besonderen Fördereffekts der Montessori-Pädagogik im sprachlichen Bereich für Kinder aus schwierigen sozialen Lebensbedingungen interpretieren.“ Zusätzlich verweist er auf die Milwaukee-Studie (2005). Für Deutschland kann auf die Studien von Esther Grindel (2007), Nicole Hasewinkel (2007) und Sung Hui-Kim (2007) verwiesen werden.

4. Der erfahrenste Lehrer ist der beste Lehrer
Es wäre interessant, von Schule&Wir zu erfahren, wie der erfahrenste Lehrer definiert wird. Da der erfahrenste Lehrer die Höchststufe darstellt und hier der Singular verwendet wird, liegt der logische Schluss nahe, in Bayern gäbe es nur einen erfahrensten Lehrer. Welch ein Armutszeugnis!
Unabhängig davon wäre es außerdem interessant, wer solch eine Behauptung aufstellt und wie viel Menschen diese Behauptung in den Raum stellen, so dass diese überhaupt in den Rang eines „populären Irrtums“ gelangen kann. Einmal abgesehen davon, dass diese Behauptung Unfug ist und keiner weiteren Gegenrede bedarf, kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, als würde auch hier von Schule&Wir ein Irrtum künstlich erzeugt, damit man überhaupt etwas zu schreiben hat. Schule&Wir-Mottenkiste!!!

5. Noten müssen abgeschafft werden
Die Ausführungen zu diesem „Irrtum“ sind auch aus wissenschaftlicher Sicht geradezu unterirdisch. Hier werden zunächst in nicht nachvollziehbarer Weise Leistungsbeurteilung und umfassendes Persönlichkeitsgutachten in einen Topf geworfen. Was soll überhaupt dieses Gerede von einem umfassenden Persönlichkeitsgutachten? Es geht anstelle der Ziffernnoten um eine verbale Darstellung und Beschreibung der erbrachten Leistungen bzw. des Leistungsstandes. Außer Schule&Wir erwartet niemand in einem Zeugnis eine umfassende Beurteilung der Schülerpersönlichkeit unter Berücksichtigung auch des außerschulischen Lebens. Es geht bei einem Schulzeugnis um die Darstellung dessen, was schulrelevant ist: u.a. um die Bereiche Arbeits- und Sozialverhalten, Wissen, Kompetenzen etc. Bei Hattie geht es dabei um die sog. „formative Evaluation“. Steffens/Höfer: „Darunter kann man sich eine systematische Nutzung aller zugänglicher Informationen vorstellen, die Auskunft über Lernmöglichkeiten, Lernstand, Lernprozesse und Lernerträge der Schüler liefern. Das können ganz kleine Informationsbestandteile sein, z.B. hinsichtlich nach bestehender Schwächen und Stärken in einer Lernsequenz, oder Ergebnisse aus Lernstandsgesprächen mit Kindern und Jugendlichen, kleine Leistungstests oder Klassenarbeiten, aber auch systematisch generierte Daten im Rahmen standardisierter Lernstandserhebungen im Sinne von VERA.“
Was Lehrkräfte hier im Laufe eines Schuljahres an Beobachtungen sammeln können, sollte doch zu einer fundierten verbalen Beurteilung ausreichen, wenn nicht, dann sind erhebliche Zweifel an der beruflichen Kompetenz der Lehrkräfte angezeigt. Nun kommt Schule&Wir aber noch mit dem Einwand einer im höchsten Maße vorliegenden Fehleranfälligkeit solcher Gutachten. Das dazu konstruierte Beispiel des vermeintlich faulen Max deutet bestenfalls auf einen höchst oberflächlichen Umgang der interpretierenden Lehrkraft mit den beobachteten Ergebnissen hin. Wer so oberflächlich interpretiert, den möglichen Ursachen nicht auf den Grund zu gehen versucht, nicht auch seinen eigenen Unterricht als möglicherweise ursächlich für die schwachen Schülerleistungen reflektiert, der hat im Lehrberuf nichts zu suchen.
An dieser Stelle der höchsten Fehleranfälligkeit kommen nun die abstrakten Ziffernnoten ins Spiel. Ja, sie sind abstrakt – und in der Regel bleiben sie das auch! Dass sie den Wissensstand abbilden sollen, der durch Prüfungen erreicht wurde, soll wohl ein schlechter Witz sein! Für diese Aussage verdient sich Schule&Wir die abstrakte Ziffer 6! Welchen Wissensstand bildet z.B. eine 3 in einem Diktat aus? Sie stellt allenfalls einen Bezug zur Anzahl der gemachten Fehlschreibungen her, gibt aber keinerlei Auskunft über den Schwierigkeitsgrad des diktierten Textes, über die Qualität der hochsprachlichen Aussprache der Lehrkraft beim Diktieren, über die nach dem Aufschreiben des Textes verbleibende Zeit zur Durchsicht und Korrektur, über die Gesamtzahl der Wörter des Textes, über die Anzahl der Richtigschreibungen (wäre vielleicht für die Leistungsmotivation nicht schlecht, das Augenmerk darauf zu richten!), über die Charakteristik der Fehler, Fehlerhäufigkeiten etc. . Auch steckt in der 3 keinerlei Hinweis auf die Weiterarbeit, auf ein gezieltes Üben zum Abstellen der Fehler, bzw. zum Erlangen von Rechtschreibsicherheit. Nichts dergleichen steckt in dieser abstrakten Ziffernnote. Genauso wenig gibt die Zeugnisnote 3 in Deutsch Auskunft darüber, wie es um die Lesefertigkeit, die Lesefähigkeit, mündliches und schriftliches Ausdrucksvermögen, rechtschriftliche Sicherheit, grammatikalisches Wissen etc. bestellt ist. Die Note bleibt abstrakt ohne inhaltlichen Aussagewert. Von wegen, Ziffernnoten „geben kurz und knapp Rückmeldung darüber, wo ein Schüler in einem Fach steht und ob er einen bestimmten Leistungsstand erreicht hat.“ Einfach unterirdisch, diese Aussagen, die noch die weitere Peinlichkeit folgen lassen, dass Schüler sich vergleichen wollen. Zuallererst wollen Kinder und Jugendliche ein klares, aussagekräftiges und weiterführendes Feedback zu dem, was sie geleistet haben. Den Vergleich zu den anderen suchen sie allenfalls, weil sie einem konkurrierenden Schulsystem ausgesetzt sind, in dem der Mitschüler als Konkurrent erfahren wird und zur eigenen Rechtfertigung instrumentalisiert werden kann, indem man bei der Rechtfertigung gegenüber den Eltern (und sich selbst) hoffentlich darauf verweisen kann, dass andere noch schlechter waren oder dass die Arbeit bei allen insgesamt „schlecht“ ausgefallen ist. Den pädagogischen Tiefpunkt setzt Schule&Wir jedoch mit der Aussage „Max ist ein fauler Schüler“. Offensichtlich weiß man in der Redaktion von Schule&Wir nicht, dass eine solch diskriminierende Aussage in keinem Zeugnis Platz finden darf. Sie würde nicht nur den Schüler diskriminieren, sondern die urteilende Lehrkraft selbst diskreditieren. Übel, werte Schule&Wir, mit welchen Beispielen hier argumentiert wird.
Da Schule&Wir Wortgutachten in höchstem Maße als fehleranfällig betrachtet, sei aber noch einmal auf die Ziffernnoten eingegangen. Sowohl bei einzelnen Leistungserhebungen erfüllen Ziffernnoten in keiner Weise die ganz wesentlichen Kriterien Objektivität, Reliabilität und Validität. Nur ansatzweise seien hier einige Faktoren genannt, die sich nachhaltig auf Ziffernnoten auswirken: Schulviertel, Schule selbst, Klassenzusammensetzung, einzelne Lehrkraft, soziale Herkunft der Schüler, vorausgegangener Unterricht, private Nachhilfe, ja sogar der Vorname des Schülers (Studie der Uni Oldenburg)! Keine Wunder, dass Prof. Valtin bei gleichen Leistungen, die von Schülern erbracht wurden, zu dem Schluss kommt: „Eine Zwei ist eine Drei ist eine Vier!“ Über die Notenstreuungen bei Schüleraufsätzen gibt es ja einige wissenschaftliche Abhandlungen. Mittlerweile kommt man sogar bei Rechtschreib- und Mathematikprüfungen zu ähnlichen Ergebnissen. Das ist besonders fatal, weil bei einer Differenz von je 0,33 in den Noten D, M, HSU in Bayern entschieden wird, ob ein Kind Zugang zum Gymnasium, zur Realschule oder zur Hauptschule erhält. Und hier bin ich Schule&Wir sehr dankbar dafür, dass in Verbindung mit der Persönlichkeit des Kindes konstatiert wird „- zumal Kinder in der Entwicklung auch noch nicht über stabile Persönlichkeitsmerkmale verfügen.“ Und solche Kinder werden mit 10 Jahren „begabungsgerecht“ auf verschiedene Schularten verteilt?! Das ist aus der Sicht der CSU-Bildungspolitik dennoch möglich. Bravo!
Abschließend gebe ich zum Thema Ziffernnoten gerne noch die Erkenntnis von Prof. Martin Wagenschein zum Besten: „Noten korrumpieren echtes Lernen!“ Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

6. Schule funktioniert auch ohne Regeln
Auch bei diesem 6. Irrtum gewinnt man den Eindruck, dass etwas zum pädagogischen Ammenmärchen erhoben wird, was in der pädagogischen Realität keinerlei Rolle spielt, geschweige denn zu den populären Irrtümern zählt. Was soll dieses Geschwafel um „manche“? Wer soll das überhaupt sein? Welche Bedeutung hat er/sie, um überhaupt ernst genommen zu werden? Populär, so traue ich mich zu sagen, ist diese Ansicht nicht. Populär ist eher Bernhard Buebs „Lob der Disziplin“ mit einem seltsamen Macht-, Autoritäts-, Straf- und Unterordnungsverständnis. Die Ausführungen zu diesem 6. Irrtum werfen eher Fragen auf, statt etwas zu klären.
- Was sind Regeln eigentlich? Welches Missverständnis liegt mit Irrtum 6 vor?
- Was sind feste Regeln? Gibt es überhaupt feste Regeln, die unverrückbar, unveränderbar immer gelten unabhängig von Veränderungen in der Lebens- und Schulwelt der jungen Menschen?
- Was ist unter einem störungsfreien Ablauf des Unterrichts zu verstehen? Stören nicht Lehrer in viel stärkerem Maße den Unterrichtsablauf, indem sie fortwährend im Unterricht lauthals auf alles reagieren:“Max, schau nicht zum Fenster raus!“ „Sarah, hier spielt die Musik!“ „Niels, was machst du unter der Bank?“ „Yvonne, wiedermal schön geträumt!“ „Dennis, wo sind deine Hausaufgaben?“ „Marie, was ist jetzt schon wieder?“ … Unablässig lenken Lehrkräfte mit ihren Kommentaren die Aufmerksamkeit der Schüler vom Unterrichtsthema ab, stören die Konzentration auf die Lerninhalte und betrachten dann die Schüler als die eigentlichen Störenfriede. Gibt es auch feste Regeln für ein lernförderliches Lehrerverhalten, für Lehrerdisziplin? Wenn Ziel von Regeln ist, zu verhindern, dass es zu Regelverstößen und Unterrichtsstörungen kommt, warum gilt dieses Ziel nicht auch für Lehrkräfte, die permanent störend eingreifen, Schülern das Wort abschneiden, dazwischenrufen, …? Wie ist es bei Lehrkräften um die Vorbildwirkung bei der Einhaltung von Regeln bestellt? Und müssen Schüler jeden noch so schlechten bzw. langweiligen Unterricht ohne jegliche Regung über sich ergehen lassen? Sind Störungen häufig nicht auch Folgen von Unterforderung, Überforderung, Langeweile,…?
- Und wie ist es mit der Umsetzung der obersten Bildungsziele Verantwortungsbereitschaft, Verantwortungsfreude bestellt, wenn es im Unterricht in erster Linie um Unterordnung geht? Unterordnen unter einen unsinnigen Lernstoff, wenn in ausgemachter Lebensferne Schüler mit zehn Jahren den Zahlenraum bis zur Billiarde beherrschen sollen und dann beim Übertragen der in Worten angegebenen Zahlen in die entsprechende Ziffernfolge nur noch zu Stellenzählern verurteilt werden, die nicht wissen, warum und wozu sie das machen, wo doch selbst Finanzpolitiker sich diese Zahlengrößenordnung nicht mehr vorstellen können und der bayer. Ministerpräsident nicht in der Lage ist, im Fernsehen den Millionenbetrag der gesammelten Spenden richtig vorzulesen. Wenn Zehnjährige ohne jegliche mathematische Vorkenntnisse über den Kreis und die Kugel die Längen- und Breitengrade unserer Weltkugel so beherrschen sollen, dass sie vorgegebene Koordinaten in den Atlantik einzeichnen können sollen. Würde wenigstens der Bezug zu den Koordinaten des eigenen Heimatortes hergestellt, man könnte noch von Lebensnähe sprechen. So aber bemächtigt sich eine abstrakte Lebensferne der Köpfe der Kinder. Zehn verschiedene Attributkonstruktionen werden in die Köpfe elfjähriger Schüler gezwungen, so als ob diese am nächsten Tag ein Germanistikstudium beginnen wollten. Und alles ohne Relevanz für die mündliche und schriftliche Sprachentwicklung der Kinder. Weitgehend totes grammatikalisches Wissen. Und so ließe sich Beispiel an Beispiel reihen mit engen Stoffvorgaben, die weder bildungsrelevant sind, noch einen direkten Bezug zum Leben der betroffenen Schüler haben. Da wünscht man sich in der Tat, wie es anderswo üblich ist, dass es für den Lernstoff lediglich Rahmenvorgaben gibt, die von Lehrern, Eltern und Schülern gemeinsam mit lebens- und lebensweltrelevanten, gegenwarts- , vielleicht auch vergangenheits- bzw. zukunftsorientierten, menschenbildenden Themen ausgefüllt werden..Dann würde höchstwahrscheinlich Wirklichkeit, was Steffens/Höfer feststellen: „In Klassen mit schülerorientierten Lehrerinnen und Lehrern gibt es mehr Engagement, mehr Respekt gegenüber sich selbst und anderen, weniger abweichendes Verhalten, mehr schülerinitiierte und selbstregulierte Aktivitäten und mehr fachliche Lernerfolge.“ Mit den Bildungsstandards und der ständigen an enge Vorgaben gebundenen Testeritis seit PISA schaffen wir das Gegenteil. Zukünftiges Berufsleben verlangt nicht nur, „sich gewissen Regeln unterzuordnen“, sondern wesentlich mehr. Wolfgang Bergmann dazu: „Wer in den modernen Berufswelten überleben will ,benötigt eine innovative und reaktionsschnelle Intelligenz, wer dagegen Buebs Pädagogik (Lob der Disziplin) folgend in Familie und Schule gelernt hat, gehorsam auf Anordnungen zu warten, wird in dieser Berufswelt scheitern. … Im Übrigen würde rein ökonomisch, eine nationale Wirtschaft, die angesichts der technisch-ästhetischen Herausforderungen mehr denn je auf Innovationskraft und mutige Flexibilität angewiesen ist, zugrunde gehen, wenn sie Buebs Bildungs-Ideale ernst nähme.“


7. Lernen muss grundsätzlich Spaß machen
In der Tat findet man unter dem Stichwort „Lernspaß“ mannigfaltige Angebote insbesondere zur Nachhilfe. Wer diesen kommerziellen Verlockungen nicht widerstehen kann, sollte sich aber bewusst sein, dass die vermeintlichen „Lernspaß-Aufgaben“ zwar möglicherweise die Bearbeitungsmotivation erhöhen können, sich jedoch keineswegs von selbst erledigen, sondern immer noch von den Kindern zu bearbeiten sind.
Interessanter und ergiebiger wäre es jedoch gewesen, Schule&Wir hätte nicht diese pauschale Lernspaß-Forderung als 7. Irrtum in den Raum gestellt, sondern sich ernsthaft mit der Bedeutung des Themas ‚Lernfreude‘ auseinandergesetzt. Lernfreude, als affektive Komponente der Lerneinstellung, kann sich auf Lerninhalte/Fächer, auf Lern- und Leistungsaktivitäten, auf Personen (z.B. Lehrkräfte, Eltern) und Institutionen (z.B. Schule) beziehen. Wäre es nicht fruchtbarer, Schule&Wir würde die Relevanz der Freude am Lernen und deren funktionale Perspektive, also die Lernfreude als Bedingung für den Lernerfolg näher beleuchten und zugleich darstellen, inwieweit die Entwicklung der Lernfreude z.B. durch die Art des Unterrichts, das Unterrichtsklima, das Lehrerverhalten … beeinflusst werden kann. So konnte Helmke (1993) ab der zweiten Schulstufe durchaus einen Zusammenhang zwischen der Leistung und der Lernfreude feststellen. Geht man diesem Thema aus dem Weg, weil offenkundig ist, dass gerade in der Sekundarstufe eine deutliche Abnahme der Lernfreude zu beobachten ist? In der SCHOLASTIK-Studie von Helmke und Weinert (1997) wurde der Abwärtstrend der Lernfreude schon in der Grundschule empirisch belegt. Warum ist das so? Könnten die Ursachen nicht gerade darin liegen, dass die Kinder sich als absolut fremdbestimmt erfahren, das zu Lernende kaum etwas mit der Lebenswelt der Kinder zu tun hat, zukunftsorientiert („Das brauchst du später einmal!“) ist, statt die Gegenwart der Kinder und die Welt, in der sie leben, zu berücksichtigen, den jeweils anderen „Lernvoraussetzungen, anderen Schicksale, anderen persönlichen Voraussetzungen und Begabungen“ wenigstens ansatzweise Raum zu geben? Das wäre zu schön, Schule&Wir, das Bildungssystem würde dann tatsächlich seiner wahren Aufgabe nachkommen, nämlich sicherzustellen, dass jedes Kind seine individuellen Talente und Begabungen ausschöpfen kann. Weit gefehlt! Wie soll das gehen, wenn die bayerischen Bildungsverantwortlichen ernsthaft die Überzeugung vertreten, individuelle Förderung wäre schon dadurch gewährleistet, dass ein Kind die vermeintlich seiner Begabung gerechte Schulart besucht. Was ist für diese Bildungsverantwortlichen ein Individuum? Wie soll individuelle begabungsgerechte Förderung möglich sein, wenn z.B. alle Schüler einer Klasse zum selben Zeitpunkt denselben Lernstoff im selben Zeitraum sich im selben Umfang über dieselbe Methode mit derselben Nachhaltigkeit aneignen sollen? Das geht nur, wenn man die Heterogenität der Lernvoraussetzungen, der Schicksale, der persönlichen Begabungen, der Interessen, der häuslichen Umwelt … verleugnet und auf absolute Homogenität setzt, die es natürlich niemals geben kann. Vielleicht glauben diese „Homogenitäts-Jünger“ tatsächlich, dass jeder Weltrekord laufen oder Starpianist werden kann. Da das natürlich nicht der Fall ist, muss es in diesem konkurrenzorientierten selektiven Schulsystem in jedem Fach Gewinner und Verlierer geben. Das wird offensichtlich gerne akzeptiert, damit jedoch das finnische und kanadische „No child left behind“ mit Füßen getreten. Warum wird dieser pädagogische Homogenitäts-Selektions-Wahnsinn von Schule&Wir nicht als der zentrale Irrtum aus der Mottenkiste des 18. und 19. Jahrhunderts angeprangert? Und da wundert man sich bei Schule&Wir noch darüber, dass Eltern vollmundigen Heilsversprechungen aus der „Nachhilfe-Industrie“ auf den Leim gehen! Angesichts des eklatanten Versagens des staatlichen Schulpflichtsystems bei der individuellen Förderung sehen viele Eltern in diesen Heilsversprechungen geradezu die letzte Rettung für eine gezielte Förderung ihrer Kinder. Und ehrlich, Schule&Wir, sind Ursula von der Leyens Bildungsgutscheine nicht die offenkundige Bankrotterklärung für ein nicht funktionierendes individuelles Fördern im staatlichen Schulbetrieb?

8. Am Computer lernen Kinder am besten
Auch bei diesem 8. Irrtum dürfte sich die Zahl derer, die eine solche Behauptung in den Raum stellen, in einem überschaubaren Rahmen halten. Ähnliches wurde bereits in der Vergangenheit zum Thema „programmiertes Lernen“ bzw. zu den Sprachlabors behauptet. Wo sind beide geblieben?

9. Man kann Kinder gar nicht genug loben
Auch dieser vermeintlich populäre Irrtum entpuppt sich meines Erachtens als künstlich konstruiert. „Etliche Pädagogen“ scheinen die Ansicht ‚Lob um des Lobes willen‘ zu vertreten. Schule&Wir setzt hiermit das „oft wird“, „einige Pädagogen“, „vielfach verbreitet“, „immer wieder“, „so manche“, „einige Anbieter“, „weit verbreitet“ pauschal, anonym und absolut populistisch fort. Die genannten Irrtümer werden überhöht und erhalten dadurch den Stellenwert einer enormen Bedrohung „guter“ Pädagogik und Bildung. Setzt man die genannten Irrtümer dann in Relation zur Schul- und Unterrichtswirklichkeit, dann erweisen sich die vermeintlichen Irrtümer als manipulierende heiße Luft. So auch dieser 9. Irrtum. Gemessen an der schulischen und familiären Wirklichkeit erhalten Kinder und Jugendliche von ihren Lehrern und Eltern eher zu wenig Lob als zu viel. Und schon gar kein Lob um des Lobes willen.
Worum geht es eigentlich? Nehmen wir Hattie, dann geht es um Zuwendung, Empathie, Ermutigung, Respekt, Leistungserwartungen,… . Es geht um menschliche Wärme, um Ermutigung zum Lernen. Ermutigung nicht durch beliebiges Lobhudeln. Es geht ganz entscheidend um ein Feedback z.B. zur jeweiligen Aufgabe, zum Lernprozess, zur Selbstregulation verbunden mit Informationen zur Weiterarbeit. Auch um Feedback von Lernenden an die Lehrenden. Gerade an diesem letzten Punkt wird deutlich, dass Feedback nichts mit Lob und/oder Tadel zu tun hat, sondern Orientierung gibt, die im Sinne einer ehrlichen Standortbestimmung
letztlich zu einer Förderung der Selbstwirksamkeit, des Selbstbewusstseins, Selbstvertrauens, des Selbstwertgefühls positiv beiträgt. Die von Schule&Wir vorgestellten etlichen pädagogisch bedrohlichen Lobhudler stellen aus meiner Sicht ein am Schreibtisch entworfenes hypothetisches Konstrukt dar, das man in der Erziehungsrealität mit der Lupe suchen muss und sogar kaum bei den „Helikopter-Eltern“ vorfinden wird.
Letztlich geht es um ungekünsteltes Anerkennen, aber auch um treffende Kritik. Prof. Dr. Kurt Singer: „Treffende Kritik regt die Selbstkritik an; sie weckt Impulse, für sich und für andere etwas zu verändern. Lob ist nicht hilfreich, wenn es gleichförmig wiederholt wird. Dann bedeutet es dem Kind nichts mehr, sondern wird leer. Die einfache, genau treffende Anerkennung hingegen – von ‚erkennen‘ abgeleitet – stärkt die Identität des Schülers; sie bestätigt ihn in seinem Selbstverständnis.“ Verwiesen sei an dieser Stelle aber auch noch auf Gage/Berliner: „Die gelobten Schüler zeigten im Leistungstest signifikant bessere Ergebnisse. Der überwiegende Anteil der Befunde weist darauf hin, dass Lehrer, die ihre Schüler häufiger tadeln, weniger gute Leistungen erzielen. Wenn sie hingegen die Ideen von Schülern akzeptieren, ist das mit besseren Leistungen verbunden.“… „Lehrer sollten bei den Schülern einen Grund zum Loben finden, indem sie ausfindig machen, was sogar bei den ‚Schlechtesten‘ lobenswert ist.“ Lobenswert, das ist das entscheidende Schlüsselwort, das in tadelswert ebenfalls einen leistungssteigernden Partner findet, wenn der Tadel den Schüler nicht entwertet und Wege aufzeigt, etwas besser zu machen.

10. Sitzenbleiben ist schlecht
Nachdem MP Seehofer die Bürger zu seinen Koalitionspartnern erklärte, verwundert es nicht, dass Schule&Wir eine Forsa-Umfrage (wie wurden die Fragen formuliert: offen oder suggestiv?) als schwerwiegendes Argument für den eigenen Standpunkt heranzieht. Man wünschte sich, im KM würde man in allen Bereichen diese Orientierung an der Bürgermeinung praktizieren. Fehlen als zusätzliches Argument nur noch die Stimmen der prominenten Sitzenbleiber, die mit gewissem Stolz auf ihre „Ehrenrunde“ verweisen und dabei behaupten, diese habe ihnen nicht geschadet.
Zur Sache selbst sei angemerkt, dass z.B. in der Hattie-Studie die Klassenwiederholung mit einem negativen Effekt belegt, also als eher schädlich betrachtet wird. Auch im deutschen Sprachraum kommen Fachwissenschaftler in ihren einschlägigen Studien zu der Erkenntnis, dass Sitzenbleiben kaum etwas nützt und zudem viel Geld kostet (u.a. Ingenkamp, Bless, Klemm, Krohne/Meier/Tillmann, Prenzel, Brügelmann). Entwickelte inklusive Schulsysteme verzichten längst auf das Wiederholen. Ist es schon fragwürdig, Schüler wegen schwachen Leistungen in zwei, drei Fächern ein Schuljahr trotz zumindest ausreichenden oder gar besseren Leistungen in den übrigen Fächern wiederholen zu lassen, so wird das Wiederholen angesichts der vorliegenden Erkenntnisse dazu noch zweifelhafter.
Belser/Kusel: „Ganz allgemein ist zwar im Wiederholungsjahr eine Leistungsverbesserung zu beobachten, aber schon im nächsten Schuljahr, in dem neue und höhere Anforderungen gestellt werden, sinken die Leistungen wieder ab.“ Und Tietze/Rossbach: Der Vergleich sitzengebliebener Kinder mit gleich leistungsschwachen, aber versetzten Schülern zum gleichen Alterszeitpunkt ergibt deutliche Leistungsunterschiede zuungunsten der Sitzenbleiber, … wobei der Leistungsabstand im Verlaufe der folgenden Schuljahre noch zunimmt.“ Krohne/Tillmann stellen fest: Sitzenbleiben bleibt aber nicht nur die erhofften positiven Wirkungen schuldig, die ihm zugeschrieben werden, es hat daneben vor allem einen massiv negativen Effekt, nämlich den der sozialen Selektion.“
Unredlich, dass schon Herr Spaenle, nun auch Schule&Wir verschweigen, dass der Verzicht auf das Sitzenbleiben nicht bedingungslos erfolgen soll bzw. erfolgt, sondern dass durch fördernde Aktivitäten auf die Probleme der Schüler reagiert werden soll bzw. reagiert wird: z.B. durch individuelle Förderpläne, verpflichtende Teilnahme an einer kostenlosen, täglichen/wöchentlichen Lernförderung in der Schule, die sich in ihrer zeitlichen Ausdehnung am jeweiligen Bedarf orientiert. Was hindert uns eigentlich daran, so zu verfahren wie Finnland oder Kanada, wo gerade Schwächeren eine unterstützende Gruppe von Lehrern, Pädagogen, Sprachtrainern, Förderlehrern, Lernspezialisten, Psychologen, Assistenten … zur Seite gestellt wird? Schule ohne Sitzenbleiben ist nicht nur denkbar, es gibt sie ja schon längst. Wenn das System geändert wird, wenn der Lernfortschritt jedes Einzelnen ernst genommen wird, wenn Lehrer endlich begreifen, dass sie nicht Fächer unterrichten, sondern Menschen, dann lässt sich das auch bei uns realisieren. Fragen Sie doch einmal bei Prof. Dr. Kurt Czerwenka nach, warum sein Konzept „Leuphana Sommerakademie“, das in der Tradition Wilhelm von Humboldts steht, gerade auch bei lernschwachen Schülern eine hohe Wirksamkeit entwickelt!
Wann begreifen die verantwortlichen bayerischen Bildungspolitiker endlich, dass die finanziellen Ressourcen effizienter in der Prävention wirken als in einem sündhaft teuren Reparaturbetrieb, dessen bisherige Evaluationen eher bescheidene Wirkungen verzeichnen können.
Wir lassen Kinder gnadenlos in den Brunnen der Klassenwiederholung fallen und kämpfen dann mühsam und kostspielig um deren Wiederbelebung. Nein, nicht einmal das! Denn in ihren neuen Klassen laufen die Wiederholer in der Regel stets nur mit, ohne dass gezielt an der Aufarbeitung der Probleme gearbeitet wird. Es gibt keine Lernstandsfeststellung, keine Stärken- bzw. Schwächenanalyse, keine problemlösenden Förderpläne, nichts dergleichen. In der neuen Klasse ist der Wiederholer wiederum weitgehend auf sich selbst gestellt und muss zudem erst noch um eine positive Integration in den neuen sozialen Rahmen ringen. Hier kann er sich glücklich schätzen, wenn er von Lehrkräften nicht noch sein herabwürdigendes Fett abbekommt. Von wegen „Ehrenrunde“!

Mein Fazit:
Die zehn aufgeführten „populärsten Irrtümer der Pädagogik“ gehören in die populistische Mottenkiste. Sie werden in ihrer Bedeutung überhöht, haben kaum Relevanz für die Schul- und Unterrichtswirklichkeit, werden nicht mit überzeugenden Argumenten unterlegt und sind z.T. sogar in sich widersprüchlich. Wahrlich keine Meisterleistung, da sie letztlich den Blick auf die vielfach mangelhafte und verbesserungswürdige Schulwirklichkeit verstellen. Vielleicht war aber gerade das die eigentliche Intention der Verfasser. Ablenken und Blendgranaten werfen!

Den zehn populärsten Irrtümern der Pädagogik stelle ich zehn partei-ideologische Fatalitäten entgegen:

1. Praktische, praktisch-theoretische und theoretische Begabung verlangen nach einem gegliederten Schulsystem in Hauptschule, Realschule und Gymnasium.

2. Möglichst homogene Lerngruppen/Schulklassen bedingen höhere Schulleistungen als heterogene.

3. Ziffernnoten bilden die fundierte Grundlage für Selektionsentscheidungen.

4. Mit der Differenz von je 33 Hundertsteln (2,o Gymnasium, 2,33 Realschule, 2,66 Hauptschule) lässt sich begabungsgerecht und treffsicher die Zuweisung in die entsprechende Schulart vornehmen.

5. Über die Artikel 7a, 8 und 9 lässt sich am besten eine begabungsgerechte individuelle Förderung realisieren.

6. Mit zwei Schulaufgaben je Halbjahr, einigen Extemporalen und mündlichen Abfragen lassen sich die Leistungen eines Schülers für das gesamte Schuljahr versetzungsrelevant abbilden.

7. Begabungsgerechte individuelle Förderung ergibt sich bereits durch den Besuch der begabungsgemäß „richtigen“ Schulart. Die individuelle Förderung bedarf keiner besonderen Lernstands- bzw. Problemanalysen.

8. Internationale Leistungsstudien (z.B. TIMSS, IGLU, PISA,…) belegen eindeutig die Effizienz eines Schulsystems.

9. Mit bundesweit verbindlichen Bildungsstandards als Regelstandards lässt sich die Bildung der Schüler nachhaltig steigern.

10. Ein inklusives Schulsystem (UN-Behindertenkonvention: inclusive education system) ist inhaltlich identisch mit einem integrativen Schulsystem (deutsche Übersetzung der UN-Behindertenkonvention).

Es würde Schule&Wir gut anstehen, zunächst einmal diese zehn partei-ideologischen Fatalitäten in einer Pro- und Kontradiskussion von ausgewiesenen Fachwissenschaftlern abwägen und beurteilen zu lassen. Über die Gegenüberstellung der fachlichen Argumente könnten sich die Leser ein eigenes Urteil bilden und wären nicht einem einseitigen Manipulationsversuch ausgesetzt wie im vorliegenden Fall der zehn populärsten Irrtümer der Pädagogik. Anschließend könnten noch weitere Fatalitäten des gegliederten Schulsystems zur Diskussion gestellt werden.

Mit freundlichen Grüßen

R. Munz


Elterninitiative Inklusive Modellschule Primus 1-10 Münster, Berg Fidel

Prof. Dr. Hans Wocken

LSV LandesschülerInnenvereinigung Bayern e.V.

StadtSchülerInnenVertretung München

Aktion Humane Schule

FREIE WÄHLER

Artikel in der Süddeutschen Zeitung


Unser Fazit: Anstatt diese Thesen zu verbreiten, wünschen wir uns vom Kultusministerium einen offenen und konstruktiven Umgang mit den Anliegen und Erfahrungen der sogenannten Reformpädagogen sowie einem ehrlichen und offenen Austausch mit den Eltern. Somit könnte im Interesse der Kinder und auch der Lehrer viel Druck aus den Schulen genommen werden.

Ein fortwährendes Behaupten, wir hätten ja längst eines der besten Schulsysteme im Land oder gar im europäischen Vergleich, bringt uns dagegen nicht weiter.

Punkt 3, "Frontalunterricht ist schlecht" stellt einen krassen Widerspruch zu jenen Schulen dar, die mit z.B. dem deutschen Schulpreis ausgezeichnet wurden. Außerdem passen diese Behauptungen nicht zu den Entwicklungen der Lernhauskonzepte.

Die Landeshauptstadt München wird alle zukünftigen Schulneubauten und größeren Renovierungen unter den Vorgaben des "Münchener Lernhauskonzeptes" durchführen. Hier sind architektonisch die Voraussetzungen geschaffen, möglichst keinen Frontalunterricht mehr durchzuführen.

Interessant in diesem Zusammenhang auch dieses: Bayerisches Kultusministerium befürwortet das Unterrichten in Lernlandschaften



Willy-Brandt-Gesamtschule "eine Schule der besonderen Art" Wir besuchten die Willy-Brandt-Gesamtschule in München. Auf der Internetseite des bayerischen Kultusministeriums ist diese Schule unter der Bezeichnung "Schulen besonderer Art" eingereiht. Wir meinen dass das in vollem Umfang zutrifft. Das, was Cornelia Folger (Rektorin) dort mit Ihrem Kollegium auf die Beine stellt ist außergewöhnlich. Eine Schule, gelegen in einem Stadtteil mit einem hohen Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund, hat sich erfolgreich auf den Weg gemacht und stellte ihr pädagogisches Konzept um.

Man kann es förmlich spüren, wie groß das innere Feuer der Begeisterung ist, wenn Eddy Arndt, SOL-Beauftragter (Selbst Organisiertes Lernen) darüber spricht, wir er sich einen guten Unterricht vorstellt.

Nicht nur die die KollegInnen, auch die Eltern tun sich zunächst schwer, sich mit dieser, für viele neuen und doch so verblüffend wirkungsvollen Unterrichtsform zu befassen. Die SchülerInnen entscheiden selber, was sie wann wie lernen? Vermutlich muss das jeder erst einmal ein Stück weit selbst erleben dürfen, damit der Gewinn, der für alle Beteiligten daraus entsteht, wirklich greifbar wird. Sicher liegt es zum Großteil daran, dass wir fast alle durch das bisherige Schulsystem konditioniert sind. Irgendwie hat es ja meist auch geklappt.

"Wir wissen nichts besser, wir wissen nur mehr als unsere SchülerInnen." Vielleicht entspringt dieser Grundhaltung jene so wichtige Maxime, die immer wieder herauszuhören ist: Wertschätzung. Was sich so einfach anhört, erleichtern ihm den Umgang mit den SchülerInnen enorm. In einer Präsentation beschreibt er es ein Stück weit genauer >Wertschätzende Haltung und Interaktion<. Diese Grundhaltung trägt bald Früchte. "Heute brauche ich in der Klasse so gut wie keine Regeln mehr, die Schüler entwischen mir nicht mehr, denn sie möchten die Beziehung zwischen uns nicht gefährden".

Natürlich gehört noch einiges mehr dazu, damit SOL gelingen kann. Zum Beispiel ein transparenter und motivierende Unterrichtsleitfaden. Kombiniert mit Bildern oder Filmmaterial zeigt auf, wo sich das Jahrgangs oder Etappenziel befindet. Hier kann stets abgelesen werden, wo die Klasse sich derzeit befindet - oder besser befinden sollte. Genau, sollte! Jeder lernt in seinem Tempo. Kaum Frontalunterricht, bestenfalls zur Impulsgebung. Anschließend wird mit persönlichen Kann-Listen gearbeitet. Dadurch wird der Lernfortschritt transparent. Arndt kann bei jedem sehen, wie sich das persönliche Lern-Punkte-Konto entwickelt. Genauso so wichtig: Die SchülerInnen haben es damit ebenfalls stets vor Augen.

Der Begriff "Kann-Liste" beinhaltet zwei wichtige Aspekte. Was kann ich schon und was kann ich noch tun. Können, nicht müssen. Kein Druck zum Lernen, Freiwilligkeit. Die SchülerInnen setzen sich persönliche Ziele, planen ihre Lerneinheiten und Pausen selbst. Wer sich zu viel Pause genehmigt, merkt das an seinem Punktekonto. Die Erkenntnis ist ebenso simpel wie wirkungsvoll - es funktioniert.

Nun ist die Willy-Brandt-Gesamtschule ja eine integrierte Schule die zum Qualifizierenden Hauptschulabschluss, der mittleren Reife und dem Abitur führt. Dort wo sich bisher Leistungsgruppen befanden, sind heute die einzelnen Aufgaben nach den verschiedenen Schwierigkeitsgraden gekennzeichnet. Der Hauptschüler beispielsweise erkennt, welche Anforderungen an einen Realschüler gestellt sind und kann sich somit ganz fließend in die Realschule lernen. Das fördert die Selbsteinschätzung und Motivation. Es gibt keine Trennung, gemeinsames Lernen ist Wirklichkeit. Und genau dieses gemeinsames Lernen bringt viel Positives mit sich. Drei Jahrgangsstufen - 5/6/7 haben über den Unterrichtsstoff permanent Kontakt zu einander, so zumindest ein Etappenziel von Arndt, denn das sollte noch besser funktionieren als bisher. Die räumliche Trennung und auch alte Gewohnheiten stehen noch etwas im Weg ....

Wer anderen hilft oder selber Hilfe in Anspruch nimmt, füllt sein Punktekonto auf. Dafür gibt es in den Lernateliers einen Marktplatz für Helfer und Hilfe Suchende. Benötigt jemand Hilfe, begibt er sich an den Helfertisch oder pinnt seine Annonce an das schwarze Brett. Man muss nicht lange warten bis Unterstützung eintrifft. Das Punktekonto beider wird dadurch angereichert. Ein Ansporn zum Helfen und sich helfen lassen, eine hervorragende Möglichkeit zur Ausprägung der Sozialkompetenz.

Neue Lernabschnitte, die in Themen verfasst sind werden den SchülerInnen zunächst vorgestellt. Anschließend reflektieren kleine Teams das Thema und präsentieren es sich gegenseitig. Eine persönliche Zeitbedarfsplanung rundet den Start in die Lerneinheit dann ab. Die hohe Selbstständigkeit seiner SchülerInnen liefert Arndt den Freiraum dafür, sich individuell dort einzubringen, wo seine Hilfe benötigt wird. Wer sein Pensum selbstständig schafft, braucht dabei keine weitere Betreuung. Auch stehen die anderen SchülerInnen zur Mithilfe parat.

Wohl der gravierendste Unterschied zum Einheitsunterricht, in dem die LehrerInnen vorgeben, dass alle gleichzeitig das selbe zu lernen haben. Hierbei eine Horde von Heranwachsenden permanent zur Aufmerksamkeit zu motivieren kostet garantiert mehr Kraft als SOL. Hier bleibt nicht selten der Einzelne auf der Strecke und viele LehrerInnen gleich mit dazu. Arndt hat für jedes Kind die Zeit, die es braucht und jede Menge kleine HilfslehrerInnen, pro Klasse so an die 25 Stück.

Heute wünscht Arndt sich noch einen Gruppenraum für die neu entstandenen Lernhäuser, am besten einen, in dem sich die LehrerInnen und die SchülerInnen treffen können. Selbstverständlich sind bei diesem pädagogischem Konzept auch die Reflektion und die pädagogische Unterstützung unter den Lehrern beinhaltet. Das dient nicht nur der persönlichen Fortentwicklung, es festigt auch die Gemeinschaft - so wie bei den SchülerInnen halt auch.

Wir wünschen uns noch viele Schulen, in denen mit der nötigen Portion Wertschätzung das pädagogische Konzept aufgewertet wird.
Eines dabei ist sicher: Wer Wertschätzung erfahren möchte, erhält sie am ehesten, wenn er sie selber lebt.
(Dieser Bericht resultiert aus unserem Besuch vom 26.11.2013)

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Am 17.02.2014 traf sich Aktion gute Schule mit dem Elternbeirat. Dieser steht absolut positiv gegenüber dieser Entwicklung. Selbstverständlich waren Schwierigkeiten bei der SOL-Einführung zu verzeichnen, aber die Erfolge stehen eindeutig dafür.

Selbst wenn derzeit noch nicht in allen Fächern das selbstorganisierte Lernen praktiziert werden kann, alle der Elternbeiratsmitglieder stehen für eine klare Befürwortung. Ein weiterer Vorteil wird darin gesehen, dass die Hausaufgaben weitgehend wegfallen konnten. Besonders positiv erlebt wird auch die Steigerung des Klassenzusammenhalts durch das praktizierte gegenseitige Helfen (Helfertisch-Konzept).

Ein Elternteil berichtete, dass das Kind nach dem Wechsel von einer Grundschule auf die WBG geradezu aufblühte. Das wurde dem deutlich verminderten Druck im alltäglichen Unterricht zugeschrieben.

Zum unserem Treffe waren auch SchülervertreterInnen anwesend. Diese berichteten, dass sie die Einführung durchaus als gewöhnungsbedürftig erlebten. Trotzdem möchten auch sie nicht mehr zu den vorherigen Unterrichtsstrukturen zurückkehren.

Eines ist für die SchülerInnen auch sehr schnell klar geworden: In 45-Minuten-Einheiten kann ohnehin kaum etwas vernünftig gelernt werden - es werden mindestens 90-Minuten-Takte benötigt.

Homepage der Willy-Brandt-Gesamtschule in München
(Tipp: Sehen Sie sich dort die Rubrik "Selbst organisiertes Lernen" näher an)



Österreichisches Bildungsministerium empfiehlt den Film alphabet für seine SchülerInnen

Das Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur in Österreich hat den Film alphabet als so wertvoll für schulische Belange eingestuft, dass er den Schulen zur Ansicht empfohlen wird.

Eine derartige Einstellung hat uns sehr gefreut und überrascht zugleich. Geht doch Erwin Wagenhofer in seinem Film eindeutig auf die Unzulänglichkeiten des PISA-getriebene Schulsystems mit seinen Auswirkungen auf die Gesellschaft ein. Wir wünschen uns für Bayern und die anderen deutschen Bundesländer eine ebenso offene Haltung!

Das offizielle Schreiben des Ministeriums



Die Ungerechtigkeit in unserem Schulsystem Eine deutliche Darstellung wie abhängig die Schulbildung vom Elternhaus ist. Argumente, wie "wer nicht lernen will, lernt auch nicht", erscheinen plausibel, passen jedoch nur zum derzeitigen selektiven und nicht individuell fördernden Bildungssystem. Kümmern wir uns um alle Kinder gleichermaßen, haben alle auch die gleiche Chance. Scheitere ich allein schon daran, dass die Eltern nicht bei den Hausaufgaben helfen können, wird das Ausmaß des Mangels richtig deutlich.

...eine aussagekräftige Grafik dazu



Die Jugendstudie für Kempten Die Stadt Kempten führte eine Umfangreiche Studie durch, in der junge Menschen zwischen 18 und 34 Jahren befragt wurden. Selbstverständlich wurde dabei das Thema Bildung gründlich beleuchtet. Die Resultate decken sich mit unseren Erfahrungen und unterstreichen unsere Forderungen einmal mehr.

Hier eine kurze Zusammenfassung der wesentlichen Aussagen:
Eine wichtige Aussage:
"In Zusammenhang mit dem Leistungsdruck, den die Schüler immer wieder in der Studie beschreiben, erkennen wir hier das offensichtlich bewusste Verbreiten von Angststimmung seitens der Schule. Denn sobald die jungen Deutschen älter werden und realistische Bilder vom Beruf bekommen, geht der Wert drastisch nach unten."
...eine Grafik zu dieser Aussage

Originalton eines jungen Menschen: „Den Kindern nicht den Spaß am Lernen nehmen, keine Abhängigkeit des Abschlusses von sozialer und globaler Herkunft.."

Die gesamte Studie als PDF-Dokument
(Thema Bildung ab Seite 12)




Sinkende Schulleistungen durch frühe Trennung der Schüler Mit der Einführung der sechsstufigen Realschule (2000) in Bayern, wurde das Eintrittsalter für die Real- und Haupt/Mittelschüler um zwei Jahre heruntergesetzt. Die Kinder werden somit bereits nach der 4. anstelle der 6. Jahrgangsstufe selektiert.

Das CESifo GmbH (ifo Institut) bescheinigt dieser Maßnahme eine Verschlechterung der Leseleistung und den Rückgang leistungsstarker Schüler. Für uns ein weiterer Nachweis, dass endlich auf die frühe, besser noch vollständig auf eine Selektion mit den heutigen Mittel, verzichtet werden muss.

Artikel auf der Homepage der CESifo GmbH

Artikel als PDF



Sieht so der Schulalltag Ihres Kindes aus (5 bis 11 Jahre)? Kinderschule Bremen, vergleichen Sie mal den Tagesablauf mit dem, den Ihre Kinder haben. Warum geht das nicht in allen Schulen, wenn es dort schon funktioniert? ..seit 30 Jahren übrigens. Was hält die Verantwortlichen ab, sich ein solches Konzept zum Vorbild zu nehmen? Es bringt offensichtlich hervorragende Erfolge.

Die Thematisierung der unterschiedlichen Kulturen wird hier z.B. als wichtiger Bestandteil des Schullebens betrachtet. In diese Schule befinden sich ca. 20% Kinder aus binationalen Familien.

Tagesablauf Kinderschule Bremen



Schulnoten halten nicht, was sie versprechen Einen sehr interessanter Artikel über den Stellenwert der Schulnoten in unseren Köpfen und in der Praxis. Es muss nicht das so weitergemacht werden, was schon immer schon war - noch dazu wenn es widerlegt ist. Lassen Sie uns dieses Thema vernünftig diskutieren und den Verantwortlichen nahelegen, sich mit den Erkenntnissen der Spezialisten auseinanderzusetzen.

"Wir wissen seit vielen Jahren, dass Noten weder besonders objektiv sind noch die oft angeführte Vergleichbarkeit bieten."
(Hans Brügelmann, deutscher Grundschulpädagoge und Schriftsprachdidaktiker)

Artikel in DiePresse.com



Bayerisches Kultusministerium befürwortet das Unterrichten in Lernlandschaften. Als wir das Albrecht-Ernst-Gymnasium in Oettingen besuchten (hier unser Bericht), waren wir begeistert, was alles möglich ist, wenn sich Schulleitung und Lehrer fortschrittliche Gedanken über das pädagogische Konzept anstellen und dementsprechend handeln. Überzeugen Sie sich selbst, dass auch das Bayerische Kultusministerium sich nicht nur lobend über diese Erfolge äußert, sondern ausdrücklich zur Nachahmung anregt (hier ein entsprechendes Schreiben).

Alle, die an der positiven Weiterentwicklung des Schulprofils "der eignen Schule" interessiert sind, mögen doch bitte dieses Schreiben als Ermutigung und Startsignal bewerten, noch vorhandene alte Zöpfe baldmöglichst abzuschneiden - es gibt so vieles zu tun. Im Interesse aller Kinder und unserer Lehrer dürfen wir nicht länger damit warten.

Schreiben des KM
(Mit freundlicher Genehmigung von Claudia Langer (OstD, Schulleitung AEG) und Walter Gremm (Mdgt, KM Abt. VI Gymnasien))







Die Zukunft erfolgreich gestalten Mit dieser Zusammenfassung möchte ich die Evangelische Schule Berlin Zentrum vorstellen, so wie es die Schulleiterin Margret Rasfeld und ihre beiden Schülerinnen beim Vortrag in der Montessorischule Biberkor getan haben. Ich, wie auch zahlreiche auszeichnende Jurys, empfinde diese Schule als eine der besten Schulen des Landes, weshalb mein Text zwar lang geworden ist, aber noch lange nicht alle Qualitäten dieser Schule umfasst.

Welche Kompetenzen brauchen die SchülerInnen* von morgen?
(* Aus Gründen der Einfachheit wird im Folgenden auf Gendern verzichtet)

Verfasst von Eva Hack, Lehramtsstudentin
(Eine Schule für Alle – in Bayern e.V.)


Seit 2007 ist Margret Rasfeld Schulleiterin der Evangelischen Schule Berlin Zentrum, davor leitete sie eine ebenfalls "ausgezeichnete" Gesamtschule in Essen und entwickelte diese Schule essentiell weiter. Frau Rasfeld stellte sich, als sie nach Berlin kam und die neu gegründete Gemeinschaftsschule anfing zu leiten, die Frage, was Schüler von heute können sollten:

..denn Wissen hätten wir Deutschland genug, es gäbe ein Handlungsdefizit bei uns, ein Umsetzungsdefizit! Wichtige Impulsworte sind für sie "Verständigung und Verantwortung".

Außerdem müssen Lehrer Schatzsucher sein, sie sollen die Potenziale der Schüler entdecken und sie in ihren Stärken fördern.

In unserer Gesellschaft wird `competition` immer als Wettbewerb verstanden, jeder gegen jeden. Stattdessen ginge es darum, sich auf eine gemeinsame Suche von Lösungen zu begeben. Das Zeitalter der Einzelkämpfer ist vorbei, es wurde alles, was alleine entwickelt werden konnte, in der Wissenschaft erforscht, nun können nur noch gemeinsam, mit vielen kreativen Köpfen Lösungen gefunden werden.

Puschkin schrieb einmal: "Wie still wäre es in einem Wald, wenn nur die begabtesten Vögel sängen." Heterogenität ist normal und eigentlich überall gewünscht, jeder strebt nach größtmöglicher Individualität. Daher ist eine Gemeinschaftsschule genau das richtige, sie spiegelt unsere Gesellschaft optimal wieder und bereitet daher auf das Leben und die Arbeitswelt vor!

Außerdem hat sich diese Gemeinschaftsschule das Attribut Agenda-Schule gegeben, sie engagiert sich dafür, die in der UNO entwickelte Agenda 21, umzusetzen. Frau Rasfeld stellt immer wieder die Frage, in welcher Welt wir leben wollen: In einer Welt, die die Erde ausbeutet, in der sich Gesellschaften in arm und reich spalten, Gemeinwohl- und Demokratiegedanken und Empathie verloren gehen?

Was brauchen Schüler in unserer Gesellschaft und Welt, fragte Frau Rasfeld ihre Schülerinnen an diesem Abend, diese antworteten folgendes:

Träume und Visionen, Selbstwirksamkeit, Mut, Risikobereitschaft, verrückte Ideen, Selbstbewusstsein; man sollte wissen, welche Begabungen und Talente man in sich trägt, man sollte Ziele konsequent verfolgen und wissen, dass man durch Fehler am meisten lernt! Außerdem den Mut, andere um Hilfe zu bitten und sich selbst zu organisieren und selbsttätig zu arbeiten.

Dass es keinen festen, angeborenen Intelligenzquotient gibt, wurde schon lange herausgefunden, also Schluss mit der Etikettierung hoch- oder niedrigbegabt. Lassen wir die Schüler einfach gemeinsam leben und lernen und wer welche Talente in sich trägt, wird sich zeigen!

Dass das WIR so wichtig ist in der Evangelischen Schule Berlin Zentrum zeigt sich dadurch, dass keine äußere Differenzierung von der 1. bis zur 10.Klasse erfolgt, die Jahrgangsstufenmischung in einer Klasse erstreckt sich meist über drei Jahrgänge. Dadurch ist es möglich, dass man als Schüler erst einen gleichaltrigen Schüler fragt, dann einen älteren und schließlich den/ die LehrerIn.

Es gibt eine Partnergrundschule, die ähnliche Ziele wie diese Schule verfolgt, welche die Schüler bis zur 6. Klasse beherbergt.

Gängiger Frontalunterricht wurde durch Arbeit in Lernbüros ersetzt, es gibt Lernbüros für jedes Fach mit Fachlehrern, dort verbringen die Schüler 10 Stunden pro Woche als Schulgemeinschaft, also klassengemischt. Das Material für die Lernbüros haben die Fachlehrer gemeinsam entwickelt, sie sind ja die Experten. Der Lehrplan ist dort unterteilt in einzelne Themengebiete, z.B. Bruchrechnen, um den Lehrplan vollständig abzudecken. Wann welcher Schüler im Laufe seiner Schullaufbahn was bearbeitet, ist völlig unterschiedlich, man hat ja auch unterschiedliche Vorlieben. Z.B. kann man zur selben Zeit in Mathe im Stoff schon sehr weit sein, in Deutsch dafür weiter hinten.

Noten gibt es nicht, sie fördern Konkurrenz und Vergleich, welcher völlig unnötig ist! Weshalb muss ich bitte schön wissen, wie weit der Schüler neben mir ist, ob er besser oder schlechter ist?? In Deutschland wohl hauptsächlich zur Selektion, "Erbsensortieranlage" nennt Professor Gerald Hüther das gerne. Es geht aber darum seine eigenen Lernerfolge und Entwicklung zu sehen und zu beurteilen!

Wenn ein Schüler einen Themenbereich abgeschlossen hat und sich sicher fühlt, gibt er sein Heft, in dem alles steht, was er dazu geleistet hat, seinem Lehrer. Zusätzlich schreibt er einen Test darüber. Die Beurteilung von beidem erfolgt in einem persönlichen Text im Heft. So kann auch Beziehung und Wertschätzung entstehen. Die meisten Schüler in Deutschland bekommen gerade mal eine Ziffer als Rückmeldung, das ist das Niedrigste, was man überhaupt an Rückmeldung geben kann, schimpft Frau Rasfeld. Eine Beziehungs- und Wertschätzungskultur der Lehrer mit den Schülern ist eines der Herzstücke der Gemeinschaftsschule.

Der Lehrer, hier Tutor genannt, führt am Ende jeder Woche mit seinen Schülern ein einzelnes Tutorgespräch, dafür wird von der Schulleitung viel Zeit eingeräumt. Dabei wird besprochen, was die Schüler in der kommenden Woche arbeiten, wie sie zur Zeit voran kommen und wie es ihnen geht, was gerade zuhause oder bei Projektarbeiten los ist. Die Dokumentation über alles findet im Logbuch des Schülers statt.

Neben der Freien Lernzeit jeden Morgen stehen z.B. noch Klassen- und Schulrat und Projektunterricht auf dem Stundenplan. Grundsätzlich geht die Schule bis circa 15.30 Uhr. Vier Unterrichtsstunden am Stück, einmal pro Woche, arbeiten die Schüler an einem Projekt, das etwas bewirkt, also umgesetzt wird. Dabei kooperiert die Schule mit zahlreichen Partnern in Berlin, die die Hilfe und Kreativität der Schüler super gebrauchen können.

Ein weiteres Gemeinschaftselement der Schule, die Schulversammlung, findet jeden Freitag statt, es nehmen alle Schüler und Lehrer teil, eine Klasse bereitet jeweils die Moderation und musikalische Umrandung vor. Dabei wird jede Woche ein neues Lied vorbereitet und gesungen; eine der Schülerinnen erzählte gänsehaut-fühlend wie es sei, wenn mehrere hundert Schüler "We are the World" singen.

Außerdem werden Geburtstage besungen und es können Schüler wie Lehrer in der "Lobe" gelobt werden, für was auch immer sie diese Woche Besonderes geschafft haben. Die Schüler lernen dabei auch vor einer großen Gruppe zu sprechen, ohne Angst zu haben. Im Programmpunkt "Speed your Mind" werden Termine und Beschwerden vorgebracht.

Die für Frau Rasfeld wichtigsten Fächer ihrer Schule sind "Verantwortung" und "Herausforderung". Bei der Verantwortung geht es darum, den Schülern etwas zuzutrauen; sie lesen z.B. einmal pro Woche im Altenheim vor, geben Computerkurse für Rentner, reinigen Spielplätze von Müll, geben in der Grundschule in Kooperation mit der Regelschullehrerin Nachhilfe, leiten Gruppen in Sportvereinen oder werden Sprachbotschafter und sind dadurch "Tutoren" von Kindern, die noch Schwierigkeiten in der deutschen Sprache haben. Für die Idee, Planung und wöchentliche Durchführung sind die Schüler selbst verantwortlich.

Sie bekommen zuvor 3 Doppelstunden Einführung und einmal im Monat findet eine Reflexion mit einem Lehrer statt. Im Schulfach Verantwortung, das sich laut Rasfeld in jeder Schule problemlos einführen lässt, wird gegen unser "deutsches Handlungsdefizit" gearbeitet. Im Fach Herausforderung stellen sich die Schüler zu Beginn jeden Schuljahres einer selbst gewählten und vorbereiteten Herausforderung, 3 Wochen, mit 150 Euro in der Tasche. Klassenfahrten macht diese Schule nicht, daher sind das recht kostengünstige "Klassenfahrten" für die Eltern.

Sie organisieren sich in Gruppen oder alleine, bekommen eine Betreuungsperson (meist Studenten) an die Seite, die lediglich im Notfall zur Hilfe stehen, die Durchführung der 3 Wochen liegt in den Händen der Schüler. Sie überqueren beispielsweise ein großes Gebirge zu Fuß oder fahren mit dem Fahrrad durch Teile Deutschlands, helfen auf Bauernhöfen oder gründen eine Band bis hin zum Auftritt. Eine Schülerin schrieb in diesen drei Wochen auf einer Hütte einen 300 Seiten Roman.

Die Planung dieser Herausforderungen findet ab Februar jeden Jahres statt, danach erfolgt ein ausführliches Reflexionsgespräch. Auf der Herausforderung erleben die Schüler Frust und machen Fehler, tragen schwächere Mitglieder im Team und lernen jede Menge über Konfliktmanagement!


Hintergrundinformationen zur dieser Schule:

- Das Selbstverständnis dieser Schule spricht für sich.

Ein Motto der Schule: Hier hören Lehrer genau zu, damit sie wissen, was Schüler brauchen. Schüler schulen Lehrer!





Albrecht-Ernst-Gymnasium (AEG) in Oettingen. So funktioniert eine gute Schule!

Bericht über den Besuch am Albrecht-Ernst-Gymnasium (AEG) in Oettingen

Nachstehend fasse ich das Wesentliche zusammen, das uns bei unserem Besuch ausführlich erläutert und vorgestellt wurde.

- Lernlandschaften
- Kooperativer Unterricht
- Doppelstunden
- Exen dann wenn es passt
- Unterrichtsmaterialien frei zugänglich
- Begleitnutzen
- Außerdem
- Fazit



Lernlandschaften

Eines der auffallendsten Merkmale ist der Klassenraum. Dort, wo zuvor die einzelnen Klassenräume durch Türen und den klassischen Flur voneinander getrennt waren, dominiert jetzt eine lichtdurchflutete Lernlandschaft. Ein ausgeklügeltes Raumkonzept bietet den Lehrern und Schülern Aufenthaltsregionen, passend für den jeweiligen Zweck. Die Lernräume sind ohne Türen und nur mit leichten Möbeln ausgestattet. Die Wände bilden Regalelemente mit vielen Fensterflächen. Einige Stühle, Sitzhocker und -kissen tragen zu einer wohnlichen Atmosphäre bei. Hohe Schalldämmung und ein wohnlicher, qualitativ hochwertiger Teppichboden sind noch lange nicht alles, was hier anders ist, als es die meisten von uns kennen und erleben durften.

Die klassische, zentral angeordnete Tafel ist nicht mehr vorhanden. Einzelne kleine Whiteboards, die die Kinder selbstständig platzieren und umlaufend angeordnete Pinnleisten (zum Aufhängen von Dokumenten) bieten viel Raum für die Präsentation von Anschauungsmaterial und Lernergebnissen.

Ein zentraler Aufenthaltsbereich zwischen den Klassenräumen bietet Raum für Gruppenarbeiten und Rückzugsmöglichkeit für den/die Einzelne(n).



Kooperativer Unterricht

Der Verzicht auf Frontalunterricht ist eines der entscheidenden Erfolgsrezepte am AEG. Die Lehrkraft individualisiert die Stoffvermittlung so, wie es jedes einzelne Kind braucht. Die Kinder erarbeiten sich den Stoff selbst. Das Grundprinzip: wer etwas selbst begreift, verinnerlicht es nachhaltig. Nicht der Lehrer entscheidet, wann die Kinder was zu lernen haben - die Kinder gehen ihren eigenen Weg, die Lehrer sehen sich in der Rolle des Begleiters und Beobachters, die im Idealfall im Hintergrund stehen. Erkennen sie Schwächen, können sie lenken und die Lernumgebung individuell den Kindern anpassen. Brauchen Kinder etwas länger für ein Thema, können sie genau ihrem Tempo entsprechend gefördert werden. Genau betrachtet steht jedem Kind nahezu sein eigener Privatlehrer zur Seite, der sich exakt um das individuelle Lerntempo und den Förderbedarf kümmern kann.

Dass hierbei viel weniger Frust aufkommt, sowohl auf Lehrer- als auch Schülerseite, ist nicht nur spürbar, sondern wird auch dadurch unterstrichen, dass nicht selten "über den Gong" hinaus Schule stattfindet - ups, die Stunde ist ja schon vorbei! Und das empfindet auch der Lehrer so. Die Energie, die beim Frontalunterricht in der Regel in die "Bändigung der Bande" gesteckt wird, kann hier zu Gunsten der Kinder eingesetzt werden.



Doppelstunden

Das, was einige Lehrer zunächst abschreckte, erweist sich schnell als Vorteil. Der 45-Minuten-Takt ist kaum geeignet nachhaltiges Wissen zu vermitteln. Bis die Betriebstemperatur erreicht ist, ertönt schon wieder der Gong. Die Annahme, dass der Gong (also die Pause zwischen den Lerneinheiten) wichtig sei, hat nur unter Ausübung des Frontalunterrichts Bestand, nachdem alle zur selben Zeit das Gleiche machen. Nun haben aber nicht alle zur gleichen Zeit einen Bewegungsdrang. Einige würden durch die verordnete Pause aus dem Lernprozess nahezu gerissen werden. Andere hingegen würden am liebsten schon 5 Minuten vorher die Stunde beendet sehen. Am AEG geht jeder, wenn‘s ihm „passt“. Kinder die miteinander selber etwas erarbeiten, Kinder, die begeistert sind, sich hinreißen lassen und fasziniert einem Thema folgen zu unterbrechen, gleicht dem Anstechen eines Luftballons. Versuchen Sie beim nächsten Kindergeburtstag mal eine verordnetet Pause zu befehlen! Viel Erfolg beim anschließenden "Dort-weitermachen-wo-sie-Aufhörten".



Exen dann wann es passt

Unglaublich? Nein: Wahr! Die Ex nicht als Druckmittel (nicht überall, aber viel zu häufig!). Stegreifaufgaben werden jeweils dann mit denjenigen Kindern geschrieben, bei denen der Stoff sitzt. Ist ein Schüler noch nicht so weit, greift die individuelle Förderung. Einzig Schulaufgaben müssen zum selben Zeitpunkt abgelegt werden – „wir haben ja eine Schulordnung...“



Unterrichtsmaterialien frei zugänglich

Warum den Lehrer fragen? Alle Materialien, inkl. der Lösungen (!) befinden sich in zentralen und allgemein zugänglichen Bereichen. Kinder, wie etwas wissen möchten, gehen an die entsprechende Schublade und holen es sich ganz einfach. Das fördert die Selbstständigkeit und entlastet den Lehrer. Das AEG ist übrigens für alle Kinder bis um 17:00 geöffnet. Versuchen Sie doch mal nachmittags das Schulbuch Ihres Kindes aus der Schule zu holen oder die Lösung zu einer bestimmten Gleichung zu bekommen!

Apropos Selbstständigkeit: Kinder, die es gewohnt sind, sich selbstständig mit Wissen zu versorgen, fragen ganz automatisch erst einmal in Ihrer Umgebung nach. Das gefragte Kind lernt dann durch das Erklären (Anwendung des Gelernten) automatisch noch einmal mit bzw. vertieft sein Wissen. Die offene Lernwelt erlaubt ein Fragen des anderen nahezu zu jeder Gelegenheit - versuchen Sie das mal im "Normal-Frontal-Unterricht". Da muss es ruhig sein, sonst werden ja die anderen gestört!
Es entsteht eine andere Fragekultur. Wer was wissen will, der fragt, ohne Gefahr zu laufen, als „dumm“ hingestellt zu werden.



Begleitnutzen

Das Kultusministerium soll auf das AEG aufmerksam geworden sein, weil es dort keine Lehrer-Ausfallstunden gab. Werden stets mehrere Klassen in einer Lernlandschaft durch mehrere Lehrer "versorgt", ist es bestimmt nicht schön, wenn einer fehlt - aber es braucht nicht zwingend eine Vertretung. Spiele wie Schiffe versenken im Klassenzimmer, während eine Vertretung am Pult Proben korrigiert (bestimmt nicht immer, aber das gibt es ja) ist am AEG nicht nötig, da die Kinder sowieso über die Lernlandschaft verteilt und die Unterrichtsräume durch das offene Raumkonzept (Fenster - Regalwände) untereinander einsehbar sind.

Der Aufwand zur Beseitigung von Vandalismusschäden soll deutlich unter dem liegen, was sonst hierfür investiert werden muss. Klar, wer sich positiv mit "seiner" Umgebung identifiziert macht sie nicht kaputt.

Vielleicht ist hierdurch sogar etwas einzusparen. Der Gewinn, der ist jedoch auch ohne das schon eindeutig. Jeder, der sich Gedanken über Lernen macht, müsste das AEG oder eine andere solche (es gibt sie) Schule einmal besuchen.



Außerdem

Wir besuchten mit 12 Personen diese Lernlandschaften. Stellen Sie sich einmal diese Besucherzahl in einer Schule vor und sagen dann, der Unterricht wurde nicht beeinträchtigt - unmöglich? Nein! Lehrer und Kinder schienen zwanglos jeder einer anderen Beschäftigung nachzugehen. Wir standen noch nicht mal wirklich im Wege, der Schulbetrieb lief zwanglos um uns herum weiter. Ich habe noch das Bild eines Jungen vor mir, der eingebaut von Sitzwürfeln - wie in einer kleinen Burg - ein Buch lesend - auf dem Boden lag. Ist das Schule? Ja!



Fazit

Nachdem das Kultusministerium (es war zu Besuch) diesen Schulbetrieb gestattet, sehe ich keinen Grund, das nicht in jeder Schule zumindest einmal auf den Prüfstand zu stellen. Selbstverständlich waren und sind auch in der AEG nicht alle Lehrkräfte auf Anhieb zu begeistern. Klar, nicht nur unsere Kinder sind verschieden. Aber die Etablierung einer solchen Lehr- und Lernkultur würde sich in jeder Schule positiv auf alle Beteiligten auswirken - man muss es nur einmal versuchen.

Unser Ziel ist, jeden zu unterstützen, der das ausprobieren möchte.
Seien es einzelne Lehrer oder gesamte Schulen.


Artikel in der taz

Das Schulkonzept des Albrecht-Ernst-Gymnasium

Schreiben des Kultusministeriums an diese Schule

Fotos der Lernlandschaften, aufgenommen kurz vor der Übergabe an die SchülerInnen der Mittelstufe. Diese Räumlichkeiten entstanden ca. 3 Jahre nach dem großen Erfolg der ersten Lernlandschaften, die seinerzeit für die Klassen 5 und 6 erstellt wurden.

AufzählungspunktFotos anzeigen





0,33 Notenpunkte selektieren ja unsere Kinder in unserem mehrgliedrigen Schulsystem. Stellen Sie sich bitte einmal vor, Ihr Kind würde das geforderte Wissen ein Tage nach der entscheidenden Schulaufgabe erwerben: Es wäre zu spät, obwohl es sich noch in derselben Klasse befindet. Nachdem die Noten für den Übertritt ja auch noch viele Wochen vor Jahresende feststehen, verschiebt sich das Selektionsalter noch ein gutes Stück nach vorne!

Warum wird in den meisten europäischen Nachbarländern eine frühe Selektion verhindert? Obwohl es viele gesicherte Erkenntnisse gibt, dass dieser Stress vermeidbar wäre und sich sogar schädlich auswirken kann, halten wie nach wie vor daran fest, dass sich mit 10 Jahren die schulischen Wege bereits trennen.

Da hilft es gar nichts, dass immer wieder beteuert wird, dass ja auch jede Menge andere Wege zur Hochschulreife gibt. Kindern in diesem Alter zu verstehen zu geben, dass sie für eine höhere Schullaufbahn ungeeignet seien, ist mitunter dramatisch. Das führt zu einem Versagensgefühl, dass sich negativ auf die ganze weitere Schullaufbahn auswirken kann.

Bitte führen Sie sich vor Augen, wie stark sich eine Anhebung des Trennungsalter von nur 3 Jahren auswirken würde (13 anstelle 10)! Drei Jahre sind in dieser Lebensphase für viele ein kleines Universum! Unsere Nachbarländer scheinen das erkannt zu haben...

Grafik Trennungsalter in Europa. Welches Land trennt seine Kinder in welchem Alter von einander.





Grundschul-Ländervergleich 2011 » Würde diesen Schulen der unselige Selektionszwang, der Zwang zur Bewertung der Leistungen mit Ziffernnoten genommen, gleichzeitig die personelle Ausstattung nach skandinavischen, kanadischen, Südtiroler Standards erfolgen, dann könnten diese Gemeinschaftsschulen problemlos bis zur 10. Klasse weitergeführt werden.

Die Schulen könnten wohnortnah erhalten bleiben, Lernen sich nachhaltig entwickeln und sich nicht durch Noten korrumpieren lassen, soziales, gemeinschaftsförderndes Lernen endlich den ihm zukommenden Stellenwert erhalten und Inklusion so verwirklicht werden, dass sie ihren Namen auch verdient.

Die Schlussfolgerung aus diesem Grundschultest kann eigentlich nur lauten: Führen wir diese so erfolgreichen Gemeinschaftsschulen vor Ort fort bis zur 8. (Südtirol) oder 10. Jahrgangsstufe.. «

Hier den ganzen Schriftsatz lesen
(Rolf Munz, Schulamtsdirektor i.R.)



Wofür haben wir Steuergelder? ..besser: Warum geben wir weniger für Bildung aus, als andere Industrieländer? Hier finden Sie eine vergleichende Darstellung finden Sie eine vergleichende Darstellung die es deutlich macht. Als eines der reichsten Länder rangieren wir auf einem der letzten Plätze. Wen wundert es, angesichts dieser Zahlen, dass es noch so viel aufzuholen gibt?


Quelle: http://www.jjahnke.net/wb/wochenbrief82-27818835x.html



Alles eine Frage der Darstellung 1 ..oder: Glaube nur der Statistik, die Du selber erstellt hast. Hier finden Sie eine Darstellung des Bayerischen Kultusministeriums vom 19.06.2012 über die Jugendlichen, die keinen Schulabschluss haben. Wir haben uns das ebenfalls etwas näher angesehen und finden, dass es deutliche Unterschiede in der Wirkung des Aussage gibt. Sehen Sie selbst!



Alles eine Frage der Darstellung 2 ..oder: Glaube nur der Statistik, die Du selber erstellt hast. Hier finden Sie eine Darstellung , in der das Bayerischen Kultusministeriums mit der Überschrift "Massive Investition in Bayerns Zukunft" darstellt, um wie viel sie den jährlichen Etat der letzten Jahre erhöhte. Die Darstellungsform finden wir diskussionswürdig, sehen Sie selbst und beurteilen Sie, welcher Eindruck damit bei den Anwesenden im Landtag und den Leserinnen und Leser erweckt werden soll!



Vorbilder erzeugen Staunen, wo bleibt die Reaktion? Drei Lehrer auf 25 Kinder und Smartboards in allen Klassenzimmern. Besonders lernschwache Kinder profitieren vom hervorragenden Betreuungsschlüssel. Keine Ziffernnoten bis zur fünften Klasse und kein Übertritts-Stress wie bei uns: 10 Jahre gemeinsamer Schulweg! Neun Studierende aus Nürnberg waren zu Besuch in Dänemark und erlebten erstaunliches.

Lesen Sie hier (Auszug aus BLLV-Zeitung 3/2012)



Qualitätskontrolle Jede Maschine, die in einer Serienfertigung auf den europäischen Markt gebracht werden darf, muss einer dokumentierten Produktionskontrolle unterliegen - warum wird das für die Lehrer unseres wirtschaftlichen und sozialen Nachwuchses nicht ebenso durchgeführt? Es gibt keinen Leistungsvergleich, an dem sich Lehrer und Klassen messen und orientieren können. Wie kann es sein, dass z. B. die gleichen Probenvordrucke immer und immer wieder verwendet werden? Klar, das ist bequem - aber zeugt das von Anpassung und Flexibilität?



Vorbilder Der GEO-Artikel: "Die guten Lehrer. Es gibt sie doch!" (GEO Magazin Nr. 02/2011) beschreibt sehr deutlich, wie es gehen könnte. Ein sehr gutes Beispiel: Wird durch eine offene Leistungsbewertung von Lehrern und Schulen ein "gesunder" Wettbewerb erzeugt, motiviert das alle Beteiligten.

Das Magazin ist nach wie vor über die Redaktion Gruner+Jahr zu beziehen, oder hier als PDF zu lesen.



Mobile Reserve oder
Zweckentfremdung?
Klar ist es wichtig, Unterrichtsausfälle zu vermeinen. Eine Mobile Reserve erscheint da ein geeignetes Mittel zu sein. Aber darf das so ablaufen?
Dirk Walter vom Münchner Merkur (Nr.51, 1.März 2012) berichtet über den Gymnasiallehrer Richard Sauer, der als Springer in einer Mittelschule PCB (Physik, Chemie, Biologie) unterrichten soll, obwohl er für Englisch und Sozialkunde ausgebildet wurde.

..zum Artikel



Betreuungszeiten Das Zeitfenster, in dem sich Schüler und Lehrer für die Wissensübermittlung begegnen ist nicht wirklich geeignet, eine persönliche Beziehung aufzubauen. Eine Schulform, die ein Beisammensein über die eigentlichen Unterrichtszeiten hinaus vorsieht, wäre allen Beteiligten zuträglich. Warum werden z. B. die Hausaufgaben nicht im Anschluss an eine Regenerierungsphase, unter Aufsicht und Hilfestellung der Lehrer oder / und Tutoren, durchgeführt?



Medikamente als Lernhilfe n-tv schreibt dazu: [Der Druck in den Schulen wächst, der Konkurrenzkampf um Noten und gute Abschlüsse bestimmt immer mehr den Alltag deutscher Schüler und Studenten. Im Vorteil ist, wer sich konzentrieren kann. Oft gefördert durch Medikamente. Experten schlagen mal wieder Alarm [..]

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Motivation der Lehrer Lehrer, die sich offenbar freuen, wenn Schüler scheitern und die Schule wechseln müssen oder nicht in die nächste Jahrgangsstufe vorrücken dürfen, können unmöglich ihren Auftrag mit der notwendigen Motivation durchführen. Äußern Sie das auch vor der Klasse, würde in der freien Wirtschaft nicht nur über die Qualifikation zur Weiterbeschäftigung nachgedacht werden.



Sorgfaltspflicht gegenüber Angestellten bedeutet, der Arbeitgeber trägt dafür Sorge, dass der Arbeitnehmer seinen Auftrag erfolgreich und ohne dabei Schaden zu nehmen, ausführen kann. Wie soll ein Lehrer die Inhalte seines Lehrplans übermitteln können, wenn er einen nicht unerheblichen Anteil von Schülern gegenüber steht, die aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse dem Unterrichtsverlauf nicht folgen können.

Der Arbeitgeber, der seine Angestellten in eine Situation bringt, in denen sie ihrem Auftrag nicht gerecht werden können, verstößt nicht nur gegen seine Sorgfaltspflicht, er nimmt das Scheitern dieser Mission billigend in Kauf. Das Resultat ist regelmäßig unter dem Stichwort "burn out" und "Frühpensionierung" in den Medien zu betrachten.





Umfang der Lehrpläne

Dieser Auszug aus dem Lehrplan Deutsch, Gymnasium 7. Klasse:

Die Schüler runden ihre Grammatikkenntnisse ab und vertiefen ihr Sprachbewusstsein, sowie ihre operationalen Fähigkeiten; sie kennen wichtige Leistungen von Wortarten, Satzgliedern und Satzarten und setzen diese beim Sprechen, Erschließen, sowie beim Verfassen von Texten ein, auch in kreativer Weise. In Rechtschreibung und Zeichensetzung verfügen sie über Anwendungssicherheit.

Wortarten, Satzarten, Satzglieder und ihre Funktion: einen anwendungsbezogenen Überblick gewinnen; Erarbeiten von temporalen, kausalen, finalen, modalen, konsekutiven, konditionalen, konzessiven und adversativen Beziehungen und deren Darstellung durch Adverbialien und Gliedsätze; Verwendung von Attribut, Relativsatz, Infinitiv- und Partizipialsatz, Subjekt- und Objektsatz


Das spiegelt doch bestenfalls eine Wunschvorstellung - kaum aber ein erreichbares Ziel! ..oder?

weiter: Verwenden von Computer und Internet in der schulischen Arbeit: Computer beim Schreiben, Gestalten und Überarbeiten von Texten einsetzen, das Internet als Informationsquelle nutzen.

Ein Beispile für den Deutschunterricht in einer 7. Klasse Gymnasium: bis Februar hatten die Schüler als Tätigkeitsschwerpunkt am PC den Auftrag im Programm Microsoft Paint® durch Verwendung des Schriftzuges (Pflanzenname) die Form einer Pflanze nachzustellen. Wie die Pflanze aussieht, wurde durch Bildersuche im Internet in Erfahrung gebracht.


...oder hier


In der Jahrgangsstufe 6 erwerben die Schüler folgendes Grundwissen:

Fähigkeit, den in Jahrgangsstufe 6 behandelten historischen Zeitraum anhand folgender Daten zu gliedern: seit etwa 10000 v. Chr. Übergang zur Sesshaftigkeit; ab 3000 v. Chr. Hochkultur in Ägypten; 5. Jh. v. Chr. Blütezeit Athens; 753 v. Chr. der Sage nach Gründung Roms; 1. Jh. v. Chr. Übergang Roms von der Republik zum Prinzipat; um Christi Geburt Zeitalter des Augustus

Fähigkeit, die folgenden historischen Begriffe zu verstehen, analytisch anzuwenden und sich mit ihrer Hilfe in Geschichte und Gegenwart zu orientieren: Quelle; Altsteinzeit; Jungsteinzeit; Hieroglyphen; Pharao; Pyramide; Polytheismus; Monotheismus; Judentum; Antike; Polis; Aristokratie; Olympische Spiele; Ilias und Odyssee; Demokratie; Hellenismus; Senat; Patrizier; Konsul; Republik; Diktator; Kaiserzeit; Limes; Christentum; Staatsreligion; Völkerwanderung; Islam; Mittelalter; Reichsbildung der Franken; Mönchtum

Beherrschen von Fertigkeiten und Methoden: Umgang mit historischen Quellen; Unterscheiden von Autorentext und Quelle im Schulbuch; Lesen einfacher Schaubilder, Graphiken und Karten; Verwerten multimedialer Informationsmöglichkeiten

Bereitschaft, sich mit Formen geschichtlicher Überlieferung zu beschäftigen; Interesse an den Lebensverhältnissen der Menschen in früherer Zeit; Bewusstsein von der Geschichtlichkeit menschlichen Daseins und menschlicher Zivilisation


...machen Sie sich bitte selber ein Bild (ISB)



Chancengleichheit Unser derzeitiges Schulsystem ermöglicht keine Chancengleichheit für alle Kinder. Bereits in der Grundschule wird von den Eltern erwartet, dass Eltern bei den Hausaufgaben unterstützen oder sogar nicht verstandenen Lehrstoff nacharbeiten. Die Statistiken zeigen, dass der Weg aufs Gymnasium meist nur mit dem passenden, also unterstützenden Familienhintergrund führt. Ganz zu schweigen von der Zeit im Gymnasium selbst! Der erfolgreiche Besuch des Gymnasiums hängt vom Elternhaus ab.

Kinder, deren Eltern diesen Weg nicht forcieren und ihn durch zusätzlichen Zeit- und/oder Finanzmitteleinsatz (Nachhilfe) unterstreichen, bekommen selten die Möglichkeit ihre Potenziale vollständig zu entfalten.

Und das im Angesicht der Erkenntnis, dass Kinder grundsätzlich die gleichen Voraussetzungen mit bringen.



Technische Ausstattung der Schule Angeblich sollen für PC's, Beamer, Netzwerk, Scanner und Drucker und weiterer technischer Geräte einer Schule keine Wartungs- oder Betreuungsverträge existieren. Daraus resultiert, dass sich der eine oder andere Lehrer freiwillig bereit erklärt, die Technik "am Laufen" zu halten. Das Honorar hierfür soll im Bereich Stundengutschrift (unbestätigt 0,5 h / Monat) auf dem Arbeitskonto der Lehrkraft erscheinen. Kein Unternehmen könnte ohne einen Administrator auskommen; eine Schule aber braucht das nicht...



Zahlen Von anfänglich 40,3 % der Schüler, die das Gymnasium in der 5. Klasse in Bayern besuchen, machen noch 22,9 % Abitur. Bayern liegt damit 8,2% unter dem Bundesdurchschnitt und 20% unter dem europäischen Durchschnitt.

Quelle: BLLV